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Uthman ibn Affan
Alyy schickt die Aufrührer weg
Als Utman (r) erfuhr, was die Aufrührer vorhatten, ging er zu 'Alyy und bat ihn, seinen Einfluss auf die Unheilstifter geltend zu machen und sie wegzuschicken.
"Sagte ich dir nicht schon so oft", sagte 'Alyy, "du solltest dich nicht von deinen Verwandten führen lassen?"
Aber du hast auf Marwan, Mu'awiya, Ibn 'Amr, Ibn Abi Sara und Sa'id Ibn Al-'As gehört. Wie kann ich nun diese Leute zurückschicken?"
Utman versicherte 'Alyy, dass er sich in Zukunft von seinem Rat leiten lassen werde und nicht mehr auf seine Verwandten hören wolle.
"Es wäre besser, wenn du das öffentlich in der Moschee bekanntgäbest", sagte 'Alyy. "Dadurch würde jedermann erfahren, dass sich die Politik ändert. Die Aufrührer würden dann keine Ausrede mehr haben, um Unruhe zu stiften."
Also ging Utman (r) in die Moschee und sagte:
"Wenn ich Fehler gemacht habe, bitte ich Allah um Vergebung. Ich fordere alle einsichtigen Männer unter euch auf, mir den richtigen Rat zu geben. Bei Allah , wenn es sich um die Wahrheit handelt, bin ich sogar bereit, dem Rat eines Sklaven zu folgen. Ich verspreche, mich von euren Wünschen leiten zu lassen. Ich will nicht länger auf Marwan und seine Leute hören."
Am Ende seiner Ansprache liefen Tränen über seine Wangen, und auch die Zuhörer begannen zu weinen. Dann ging 'Alyy zu den Ägyptern und versicherte ihnen, dass die Ursachen all ihrer Klagen beseitigt würden. Sie schienen zufriedengestellt zu sein und machten sich auf den Weg nach Ägypten. Auch die Aufrührer von Al-Basra und Al-Kufa reisten in ihre Städte ab, und der Sturm schien vorüber zu sein
Der gefälschte Brief
In Al-Madina glaubte jeder, dass die Unruhen zu Ende seien. Aber plötzlich hallten die Straßen der Stadt von den Rufen den Aufrührer wider. Sie scharten sich um das Haus des Kalifen und umringten es von allen Seiten. Laute Rufe "Rache! Rache!" erfüllten die Luft von Al-Madina.
'Alyy (r) ging zu den Ägyptern und fragte, warum sie zurückgekommen seien.
"Du hast uns versichert", sagten sie, "dass unseren Beschwerden nachgegeben würde, aber wir sahen einen Boten eilig hinter uns herkommen. Wir hielten ihn an und durchsuchten ihn. Dabei fanden wir einen Brief vom Kalifen an die Gouverneure mit dem Befehl, uns alle zu töten, wenn wir zurück seien. Hier ist der Brief. Er trägt das Siegel des Kalifen. Dies ist ein glatter Treuebruch, und dafür muss der Kalif büßen!"
"Und warum seid ihr zurückgekommen?" fragte 'Alyy die Aufrührer von Al-Kufa und Al-Basra.
"Wir mussten unseren ägyptischen Brüdern helfen", sagten sie. "Aber eure Wege gingen doch in ganz andere Richtungen! Wie konntet ihr da Kenntnis von dem Brief haben, wenn ihr schon einige Meilen von eurem Weg zurückgelegt hattet?" Darauf erhielt 'Alyy keine Antwort.
"Es ist klar", sagte er, "dass ihr ein Komplott geschmiedet habt. Ihr scheint entschlossen zu sein, es auszuführen." "Sag, was du willst", antworteten die Aufrührer, "wir wollen Utman nicht als Kalifen. Allah hat uns ein Recht auf sein Blut gegeben. Auch du solltest unserer Sache dienen!"
"Bei Allah ", antwortete 'Alyy (r), "ich will mit euch nichts zu tun haben."
"Warum hast du uns dann Briefe geschrieben?" fragten sie.
"Was für Briefe?" sagte 'Alyy verwundert. "Bei Allah, ich habe euch niemals etwas geschrieben!"
'Alyy merkte, dass er nichts mehr ausrichten konnte; die Aufrührer schienen entschlossen, ihn in die Sache hineinzuziehen, und er sah, dass seine Lage schwierig wurde. Daher brach er nach Al-Garuza auf, einem Ort einige Meilen von Al-Madina entfernt.
Die Aufrührer zeigten den Brief dem Kalifen und fragten:
"Stammt dieses unser Todesurteil von dir?"
"Ich schwöre bei Allah, dass ich nichts von diesem Brief weiß", entgegnete Utman (r).
"Nun, dann bist du nicht fähig, weiter Kalif zu sein", brüllten die Aufrührer. "Wenn du den Brief geschrieben hast, ist es klar, dass du nicht weiter Kalif sein kannst. Aber wenn ein anderer ohne dein Wissen diesen Brief geschrieben hat, kannst du es auch nicht bleiben. Denn wenn solch wichtige Befehle ohne dein Wissen abgesandt werden können, solltest du nicht weiter an der Spitze des Staates stehen. Wir verlangen, dass du das Kalifat abgibst!"
Utman (r) wies diese Forderung zurück.
"Ich will nicht mit meinen eigenen Händen das Ehrenkleid ablegen, das Allah mir verliehen hat", sagte er.
Die Belagerung
Als die Aufrührer sahen, dass Utman (r) das Kalifat nicht aufgeben wollte, belagerten sie sein Haus. Die Belagerung dauerte 40 Tage, und die Situation wurde von Tag zu Tag kritischer. Die Belagerer verboten sogar, den betagten Kalifen mit Wasser zu versorgen.
Außer dem Kalifen und seiner Familie waren noch andere Männer im Haus, unter ihnen Al-Hasan, Al-Husain, Muhammad Ibn Talha, 'Abdullah Ihn Az-Zubair, Abu Huraira, Marwan und andere. Diese Männer dienten dem Kalifen als Schutz, und es kam zu einigen Zusammenstößen zwischen ihnen und den Belagerern. Dabei wurden Al-Hasan und Marwan verwundet, Marwan sogar schwer. Die
Aufrührer vermieden jedoch eine offene Schlacht. Sie wussten, dass die Leute der Banu Hasim wegen Al-Hasan und Al-Husain in den Kampf gegen sie eingreifen würden.
Während der Belagerung wurde 'Abdullah Ibn 'Abbas von Utman nach Makka gesandt. Er sollte den Hagg als Stellvertreter des Kalifen leiten. Der Kalif schickte auch Boten zu den Provinzgouverneuren, die ihnen von der Belagerung berichten sollten.
Als die Not durch die Belagerung wuchs, bat Al-Mugira Ibn Su'ba den Kalifen, endlich etwas zu unternehmen. Er machte ihm drei Vorschläge.
"Komm aus dem Haus heraus", sagte er, "und kämpfe gegen die Aufrührer. Du hast Männer bei dir, und das Volk von Al-Madina wird auch an deiner Seite kämpfen. Dazu bist du im Recht, und die Wahrheit muss gewinnen. Oder verlasse das Haus durch die Hintertür und versuche, Makka zu erreichen. In der heiligen Stadt können die Aufrührer nicht Hand an dich legen. Oder gehe nach Syrien. Dort wirst du unter dem Schutz Mu'awiyas sicher sein."
Utman (r) antwortete darauf:
"Dem ersten Vorschlag stimme ich nicht zu, weil ich nicht als erster Kalif das Blut von Muslimen vergießen will. Auch den zweiten Vorschlag nehme ich nicht an; denn ich will nicht, dass die heilige Stadt Makka in Gefahr gerät. Der dritte Vorschlag ist ebenfalls unannehmbar; denn auf keinen Fall will ich die Nähe des Gesandten Allahs aufgeben."
Die Lage wurde von Tag zu Tag schlimmer, aber Utman (r) fühlte sich verpflichtet, Böses mit Liebe zu bekämpfen, selbst wenn es sein Leben kosten sollte.
Utman wird ermordet
Utman (r) benutzte nur eine einzige Waffe, das waren seine gütigen und sanften Worte. Er stieg mehrmals auf das Dach seines Hauses und sprach zu den Aufrührern. Er sagte ihnen, wie nahe er dem Propheten, Allahs Segen und Friede auf ihm, gestanden und welche Dienste er dem Islam erwiesen habe. Aber seine Worte fielen in taube Ohren. Nichts konnte die Belagerer von ihrem üblen Tun zurückhalten.
Als der Tag des Hagg| näher kam, wuchs die Unruhe der Aufrührer. In wenigen Tagen würden Hunderte von Männern vom Hagg zurückkehren, und auch aus den Provinzen könnte Hilfe für den Kalifen eintreffen. Sie mussten ihr Komplott sogleich ausführen, wenn es nicht zu spät sein sollte. Daher musste schnell gehandelt werden.
Utmans Haus war sehr groß. Al-Hasan, Al-Husain, Muhammad Ibn Talha und 'Abdullah Ibn Az-Zubair hielten Wache am Haupttor, und die Aufrührer wollten sich mit diesen Männern nicht in einen Kampf einlassen; denn das hätte deren Blutsverwandte zur Rache bewogen. Um dies zu vermeiden, schlichen sich mehrere Rebellen über die rückwärtige Mauer und drangen so zum betagten Kalifen vor; die Wachen am Haupttor merkten nicht, was im Haus vorging.
Utman (r) saß da, hatte das Heilige Buch aufgeschlagen vor sich und rezitierte den Qur'an. Muhammad Ibn Abi Bakr führte die Gruppe der Mörder an. Er ergriff den Bart des Kalifen und zog daran.
"Mein lieber Muhammad", sagte Utman, wobei er ihm in die Augen blickte, "wenn dein Vater noch am Leben wäre, würde er dein Verhalten nicht billigen!"
Bestürzt wich der junge Mann zurück.
Da schlug ein anderer Mann dem Kalifen mit einer Axt auf
den Kopf, ein dritter versetzte ihm einen Streich mit dem Schwert. Na'ila (r), die treue Gattin Utmans, wollte ihren Mann schützen; dabei wurden ihr die Finger abgeschlagen.
Dann fielen alle Verschwörer über den betagten Kalifen her und verwundeten ihn sehr. Einer von ihnen, ' Amr Ibn Hamq, schlug ihm schließlich den Kopf ab.
Die Nachricht von Utmans grausamer Ermordung war ein harter Schock für jedermann. 'Alyy war wie betäubt, als er es hörte, und eilte sofort nach Al-Madina.
"Wo wart ihr", tadelte er seine beiden Söhne Al-Hasan und Al-Husain, "als der Führer der Gläubigen ermordet wurde?"
Genauso zornig war er auf 'Abdullah Ihn Az-Zubair und die anderen, die am Tor Wache gestanden hatten.
Utman (r) wurde am Freitag, dem 17. Du-1-Higga des Jahres 35 n.H., ermordet.
Nach der Ermordung des Kalifen plünderte die Bande sein Haus. Dann eilten sie zum Baitu-1-Mäl und raubten ihn aus. Von Grauen gepackte Menschen sahen hinter verschlossenen Türen die Blutorgie. Niemand wagte es, ihnen Einhalt zu gebieten; Al-Madina schien den Aufrührern ausgeliefert zu
sein. Drei Tage lang lag Utmans Leichnam unbeerdigt; denn die Rebellen erlaubten nicht, ihn zu bestatten. Schließlich wandten sich einige Leute deswegen an Alyy. Auf sein Verlangen wurde die Beerdigung endlich erlaubt.
Am späten Abend trugen 17 Männer den Leichnam zum Friedhof von AI-Madina und begruben ihn dort.
Das war das Ende Utmans, des Apostels von Liebe und Frieden. Er wollte Blutvergießen unter allen Umständen vermeiden und tat sein Äußerstes, um Betrügerei und Gewalt mit Liebe und Güte zu begegnen.
Der Versuch schlug nicht ganz fehl; denn Utman (r) erreichte mit der Aufopferung seines eigenen Lebens sein Ziel, ein Bürgerkrieg im gesamten islamischen Reich blieb aus vorläufig.
Die zwölf Jahre von Utmans Kalifat
Utman (r) war etwa zwölf Jahre Kalif. Verglichen mit dem Kalifat 'Umars erscheint dieser Zeitabschnitt trostlos, und am Ende dieser Periode gewannen die Kräfte der Gesetzlosigkeit
die Oberhand. Aber auf Utman fällt kein Teil der Schuld.
'Umars Kalifat war eine Zeit der Eroberungen, die eine Flut von Reichtum zur Folge hatten. 'Umar selbst brach einmal in Tränen aus, als er die Schätze in der Moschee des Propheten, Allahs Segen und Friede auf ihm, aufgehäuft sah.
Nach dem Grund seines Weinens befragt, sagte er, dass Reichtum immer Neid und Bosheit erzeuge und dass diese der wahre Ursprung der Uneinigkeit seien. 'Umar (r) hatte vollkommen recht; seine Befürchtungen erfüllten sich in den Jahren nach seinem Tode.
Auch der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede auf ihm, hatte eine Periode großer Unruhe vorausgesagt. Diese Zeit ging mit dem Wohlstand des Volkes einher. Eines Nachts
wachte er beunruhigt auf; er war bewegt und sagte:
"Alle Ehre gebührt Allah! Welch großen Reichtum hat Er meinem Volk beschert! Und welcher Unfriede ist durch diesen Reichtum im Volk entstanden!"
Schon von Beginn der Unruhen an war sich Utman (r) sicher, dass nun die vom Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede auf ihm, vorausgesagte böse Zeit gekommen war.
Nach seiner Meinung war das Unheil unvermeidbar und musste so kommen. Er konnte es verzögern, aber nicht aufhalten, und er glaubte, dass Härte und Strenge es früher bringen würden. So versuchte er, den Beginn der Unruhe durch Güte und Vergebung hinauszuschieben. Das waren die Waffen, auf die er sich verließ. Wenn sie nicht wirkten, war es nicht Utmans Fehler; es war die Schuld der Männer, die Recht und Unrecht nicht unterscheiden konnten.
Auch eine andere Voraussage des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede auf ihm, hielt sich Utman ständig vor Augen. Sie lautete:
"Wenn meine Nachfolger sich erst einmal untereinander mit dem Schwert bekämpfen, wird das so bis zum Jüngsten Tag bleiben."
Die beiden Kalifen vor Utman kämpften mit dem Schwert gegen die Feinde des Islam, führten aber niemals eine Armee gegen Muslime. Aber jetzt erhoben Muslime die Waffen gegen Utman. Sollte er sein Schwert gegen sie ziehen? Er hätte es leicht tun können. Die Zahl der Aufrührer war nie größer als 3000 Mann, und Al-Madina hatte schon viel größere Heere zurückgeschlagen. Wenn Utman (r) sein Schwert ergriffen hätte, wären Hunderte von Schwertern für ihn bereit gewesen; außerdem hätte er Truppen aus Syrien rechtzeitig zur Verfügung haben können, so dass er jede Menge von Aufrührern hätte vernichten können. Aber nichts konnte ihn dazu bewegen, von der Waffe Gebrauch zu machen; denn dadurch wäre er zum ersten Kalifen des Islam geworden, der das Blut von Muslimen vergossen hätte. Denn wenn die Waffen einmal ergriffen sind, werden sie nicht mehr weggelegt, und Utman (r) war der letzte, der einen Fluch über die Muslime bringen wollte, der immer auf ihnen lasten würde, Es war weitaus leichter für ihn, sein Leben hinzugeben. Daher entschloss er sich, diesen Weg zu wählen; er gab sein Leben, damit sein Volk vom Fluch des Schwertes verschont bliebe.
'"Utman ist der bescheidenste meiner Sahaba", sagte einst der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede auf ihm. Seine Bescheidenheit verließ Utman auch nicht, als er Herrscher eines großen Reiches geworden war. Er war großzügig und weichherzig und war jederzeit geneigt, die Fehler anderer zu übersehen. Wirklich hohe Tugenden! Ob er als Oberhaupt eines großen Reiches noch weitere Qualifikationen hätte benötigen müssen, weiß Allah am besten. Er war nicht hart, fest und schnell genug; sein weiches Herz erlaubte ihm keinen harten und festen Kurs. Er wusste sehr wohl, wohin der Weg der Liebe führen würde, aber er war bereit, diesen Preis mit seinem Leben zu bezahlen.
Da Utman (r) gütig zu allen Menschen war, war er es besonders zu seinen Verwandten. Einige von ihnen zogen ungebührend Vorteil daraus, indem sie sich bemühten, alle Macht in ihre Hände zu bekommen. Viele Schlüsselstellungen im Reich wurden von ihnen oder von ihren Freunden besetzt. Marwan gewann solche Macht über den alten Kalifen, dass er zuweilen in seinem Namen handelte, ohne ihm mitzuteilen, was er tat, und der Kalif musste Kritik hinnehmen für die Handlungen Marwans.
Utmans Glaube und Mut haben wenig Parallelen in der Geschichte. In der Nähe des Propheten, Allahs Segen und Friede auf ihm, zu sein bedeutete ihm mehr als alles andere, sogar mehr als sein Leben. Nichts konnte ihn von AI-Madina vertreiben, wo der Prophet, Allahs Segen und Friede auf ihm, zur ewigen Ruhe gebettet war. Der Tod starrte ihm ins Gesicht, aber er hieß ihn willkommen, weil er durch ihn ein Grab in AI-Madina bekam. Dieser Tod in AI-Madina war ihm wertvoller als sein Leben anderswo. Das erklärt die kühle Entschlossenheit, mit der er dem Tod begegnete.
Trotz innerer Unruhen weitete sich das Reich unter Utmans Kalifat weiter aus. Nordafrika kam hinzu, Aufstände in verschiedenen Teilen wurden rasch niedergeschlagen. Byzanz konnte keinen Vorteil aus den inneren Wirren des islamischen Reiches ziehen.
Im Grunde war Utmans Ermordung die Folge politischer Meinungsverschiedenheiten: Eine Gruppe von Männern wollte ihm das Kalifat nehmen; denn sie wünschten sich einen anderen Kalifen, aber die Art und Weise ihres Vorgehens war falsch. Bis dahin wurden die Kalifen durch die Stimme des Volkes gewählt.
Die Sahaba waren die Vertreter der öffentlichen Meinung, und durch die Mehrheit ihrer Stimmen wurde entschieden, wer Kalif werden sollte. Die Aufrührer von Al-Kufa, Al-Basra und Ägypten kümmerten sich nicht um diese Tradition, sondern setzten die Gewalt an ihre Stelle.
Diese Methode hatte eine weitere unglückliche Folge: In religiösen Gruppen setzten sich politische Parteien fest, und diese Gruppen spalteten sich weiter. Die Einigkeit der Muslime erhielt dadurch einen schweren Schlag, es bildeten sich Sekten, und was der Prophet, Allahs Segen und Friede auf ihm, vorausgesagt hatte, trat ein: Das Schwert trennte seine Nachfolger, und dabei blieb es.
Utman (r) leistete dem Islam einen großen Dienst, indem er gleichlautende Abschriften des Qur'an in die Provinzhauptstädte schickte. Dies war notwendig geworden, weil man sich über die Art, wie das Heilige Buch zu rezitieren sei, nicht einig war; im Irak wurde es anders gelesen als in
Syrien. Der Kalif erfuhr davon im Jahre 30 n.H.
"Wir übernehmen die Weise von Abu Musa Al-As'aryy", sagten die Iraker.
"Und wir folgen der Art von Al-Miqdad Ibn Al-Aswad", erklärten die Syrer.
Utman (r) brachte die Frage vor die Sahaba, und alle stimmten darin überein, dass die zu Abu Bakrs Zeit hergestellte Abschrift die richtige sei. Nach Abu Bakr gelangte sie in die Hände 'Umars, und nun war sie im Besitz von dessen Tochter Hafsa (r). Utman erhielt diese Kopie. Zaid Ibn Tabit (r), einer der vertrauenswürdigen Schreiber der Offenbarung, wurde gebeten, davon sieben Abschriften anzufertigen. Ihm halfen drei Männer, die den Qur'an auswendig wußten. Auch Zaid (r) konnte den gesamten Qur'an auswendig rezitieren. Zuerst schrieb er das ganze Buch aus dem Gedächtnis nieder. Dann las er es dreimal einer Versammlung von Al-Muhagirün und Al-Ansar vor.
Schließlich verglich er diese Niederschrift mit derjenigen aus dem Besitz von Hafsa. Beide stimmten völlig überein. Nun wurden sieben Abschriften angefertigt und in die verschiedenen Teile des Reiches geschickt.
An dieser Stelle soll noch etwas über die Beziehungen zwischen Utman und 'Alyy gesagt werden. 'Alyy stimmte zwar mit dem betagten Kalifen in vielen Punkten nicht überein - besonders mißbilligte er, dass andere Männer in Utmans Namen handelten -, aber er tat nichts, was Utman geschadet hätte. Er riet ihm, sich von Marwan und anderen Umayyaden loszusagen, aber er redete auch mit den Aufrührern, um sie von ihren Plänen abzubringen, und lehnte es entschieden ab, ihr übles Vorhaben zu unterstützen.
Als 'Alyy (r) erfuhr, dass die Rebellen dem Kalifen jegliche Wasserzufuhr sperrten, ging er zu ihnen und sagte:
"Männer, ihr tut da etwas ganz Übles. So etwas tut kein Muslim, nicht einmal ein Ungläubiger. Warum verweigert ihr Utman Essen und Trinken? Selbst die Perser und die Byzantiner geben ihren Gefangenen Nahrung und Wasser. Was hat Utman euch denn getan? Warum belagert ihr ihn? Warum trachtet ihr ihm nach seinem Leben?"
Diese Worte hatten jedoch keine Wirkung auf die Aufrührer. Als 'Alyy dies merkte, warf er seinen Turban in Utmans Haus; der Kalif sollte wissen, dass er gekommen war, um auf die Belagerer einzureden, aber keinen Erfolg dabei gehabt hatte.
Utman (r) wusste, dass 'Alyy aufrichtig war. Er ließ nie ein Wort der Klage gegen ihn fallen. Nur meinte er, dass 'Alyy ihn mehr hätte unterstützen sollen. Aber 'Alyy hatte Gründe für seine Zurückhaltung. Er glaubte, dass alle Verwirrung Utmans Ratgebern zu verdanken sei, und wollte, dass sie gingen. Die Rebellen forderten das Gleiche. Als Utman 'Alyy versicherte, dass er diese Männer absetzen wolle - dies sagte er öffentlich in der Moschee -, wurden alle Missverständnisse zwischen den beiden Schwiegersöhnen des Propheten, Allahs Segen und Friede auf ihm, beseitigt; sie waren wieder so engverbunden wie früher.
Das verstärkte den Hass der Aufrührer. Sie waren es gewohnt, 'Alyy's Namen zu benutzen, um das Feuer der Unzufriedenheit zu schüren. Wie konnte er nur auf der Seite des Kalifen stehen? So kam es, dass sie den verhängnisvollen Brief erfanden. Dieser Brief brachte Utman und * Alyy in eine peinliche Lage und gab den Rebellen einen guten Vorwand, ihre üblen Pläne auszuführen. Sie weigerten sich einfach, 'Alyy anzuhören. Dieser fühlte sich hilflos und konnte nichts tun. Deshalb verließ er die Stadt, ordnete jedoch an, dass seine Söhne am Tor des Kalifen Wache halten sollten.
Das Bemerkenswerteste an Utman (r) war sein Glaube. Er hatte den Propheten, Allahs Segen und Friede auf ihm, sagen hören, dass der Bürgerkrieg niemals enden würde, wenn er einmal ausgebrochen sei. Utman wollte nicht derjenige sein, der ihn auslöste, und niemand sollte seinetwegen das Schwert ziehen. Am letzten Tag seines Lebens gab es einen Kampf zwischen den Belagerern und den Wächtern am Tor. Die Rebellen wollten mit Gewalt in das Haus eindringen; die Sohne 'Alyy's und die Söhne Az-Zubairs und Talhas lieferten ihnen einen harten Kampf, und Utman hörte dies.
"Nein, meine Lieben", rief er aus, "ich will nicht, dass Blut von Muslimen vergossen wird, um meinen Kopf zu retten." Indem er dies sagte, schickte er sie alle heim.
Wenn ein Bürgerkrieg auf Kosten seines Lebens vermieden werden konnte, war Utman (r) glücklich, diesen Preis zu zahlen. Er glaubte, dass durch seine Selbstopferung das vom Propheten, Allahs Segen und Friede auf ihm, vorausgesagte Unheil verzögert werden konnte. Deshalb wollte er weder mit dem Schwert zurückschlagen noch aus der Stadt des Propheten fliehen. Er starb bereitwillig, damit der Islam leben möge. Für eine große Sache und eine tiefe Überzeugung brachte er das größte Opfer, das ein Mann bringen kann. So wurde er in den Rang eines der größten Märtyrer aller Zeiten erhoben.
Quelle: www.dienerallahs.de
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