TASAVVUF ALEMİ - AL ISLAM
  Uthman ibn Affan (2)
 

 Uthman ibn Affan

Al Kufa in der Gewalt von Straßenbanden

 

Al-Küfa war die Hauptstadt einer anderen Provinz und Sa'd Ibn Abi Waqqas ihr Gouverneur. Er hatte Persien erobert. Eine Anleihe, die er dem Staatsschatz entnommen hatte, konnte er nicht rechtzeitig zurückzahlen. Als der Kalif eine Klage darüber erhielt, entließ Utman (r) ihn.
Sa'd wurde durch Al-Walid Ibn 'Uqba ersetzt, der ein energischer Mann war. Er ergriff unverzüglich Maßnahmen gegen Unruhestifter. Eines Nachts drangen einige von ihnen in ein fremdes Haus ein. Sie nahmen dem Besitzer all sein Geld und töteten ihn. Alle wurden eingesperrt und zum Tode verurteilt.

Der Tod dieser Bande erzürnte die Sabaiten. Ein strenger Mann wie Al-Walid Ibn 'Uqba konnte ihnen wirklich gefährlich werden. Deshalb brachten sie eine falsche Klage gegen ihn vor und behaupteten, er sei ein Trinker. Eine Abordnung machte sich nach AI-Madina auf. Zwei Männer bezeugten vor dem Kalifen und seinen Ratgebern, dass sie gesehen hätten, wie ihr Gouverneur Wein getrunken habe. Das Urteil, das 'Alyy bekanntgab, lautete auf schuldig. Daraufhin entließ Utman den Gouverneur.
Al-Walid wurde durch Sa'd Ibn AI-'As ersetzt, und dieser neue Gouverneur empfing jeden Abend Leute aus dem Volk in seinem Haus. Er saß mitten unter ihnen und sprach mit ihnen über ihre Probleme. Jeder konnte ihn besuchen. Zu diesen Zusammenkünften erschienen die Sabaiten in großer Zahl. Allmählich fingen sie an, Unruhe zu stiften. Eines Abends überfielen sie einen Mann und schlugen ihn in Gegenwart des Gouverneurs. Dieser fühlte sich dadurch gedemütigt, aber auch hilflos. Die Übeltäter waren so mächtig, dass er nicht gegen sie einschreiten konnte. Die Lage wurde so unerträglich, dass das Volk dem Kalifen schrieb. Es bat ihn, die Stadt von den Straßenbanden zu befreien.
Utman (r) gab dem Gouverneur die schriftliche Anweisung, diese Bande nach Syrien zu Mu'awiya zu schicken. Er hoffte, dass dieser sie zur Vernunft bringen würde. Der Befehl des Kalifen wurde ausgeführt, und Mu'awiya versuchte, sie durch Güte auf den rechten Weg zu bringen. Doch darauf reagierten diese verdorbenen Menschen nicht und wurden unverschämt gegen Mu'awiya. Deshalb schrieb er dem Kalifen, dass er solch schlechte Menschen nicht bessern könne.

Nun schickte Utman (r) sie zu 'Abdurrahman Ibn Halid, dem Gouverneur von Hirns. Er war ein unnachgiebiger Mann, der hart mit diesen Burschen verfuhr und sie so zur Vernunft brachte. Sie bedauerten ihre Taten und versprachen, sich künftig gut zu betragen. 'Abdurrahman setzte den Kalifen davon in Kenntnis, und in seinem Antwortbrief befahl Utman (r), sie nach Al-Kufa zurückzuschicken, wenn sie ehrlich meinten, was sie sagten. Aber als sie wieder in Al-Kufa waren, trieben sie ihr Unwesen genauso arg wie zuvor.

 

Ägypten wird zum Zentrum der Gegner Utmans

'Abdullah Ibn Saba' wählte Ägypten als Zentrum seiner Partei. Er hatte dafür mehrere Gründe: Der wichtigste war, dass Ägypten in der Mitte zwischen dem östlichen und dem westlichen Teil des Reiches lag.

Zweitens war 'Amr Ibn Al-'As (r), der frühere Gouverneur von Ägypten, ein beliebter Statthalter gewesen; sein Nachfolger, 'Abdullah Ibn Sara, war lange nicht so populär. 'Amr war von Utman (r) abgesetzt worden. Für Ibn Saba' war dies eine günstige Gelegenheit, Unzufriedenheit im Volk zu schüren. Drittens war der neue Gouverneur durch den Feldzug in Nordafrika länger als ein Jahr von Ägypten abwesend. Ibn Saba' hatte dadurch freie Hand, seine Pläne in Ruhe zu verwirklichen.

In Ägypten hatte Ibn Saba' auch zwei mächtige Verbündete in Muhammad Ibn Hudaifa und Muhammad Ibn Abi Bakr. Beide waren Utmans Gegner.

Der erstere war als Waise von Utman (r) aufgezogen worden. Als er erwachsen war, bat er den Kalifen um einen Posten als Statthalter einer Provinz. Utman hielt ihn jedoch

nicht für befähigt für ein so hohes Amt und schlug ihm diese Bitte ab. Dadurch war Muhammad Ibn Hudaifa so verärgert über den Kalifen, dass er nach Ägypten ging und gegen 'Utman arbeitete.

Muhammad Ibn Abi Bakr war ebenfalls aus persönlichen Gründen über den Kalifen erzürnt. Er war von 'Alyy (r) aufgezogen worden; seine Mutter, die Witwe Abu Bakrs, hatte nach dessen Tod 'Alyy (r) geheiratet.
Als Muhammad Ibn Abu Bakr einem Gläubiger, von dem er eine gewisse Summe geliehen hatte, sein Geld nicht rechtzeitig zurückgab, verklagte der Gläubiger ihn beim Kalifen. Utman (r) fällte sein Urteil äußerst unparteiisch. Muhammad Ibn Abi Bakr war dadurch jedoch beleidigt und ging nun auch nach Ägypten, wo er sich den Feinden des Kalifen anschloss.

'Abdullah Ibn Saba' nutzte diese Umstände voll aus.
Die zentrale Kommandostelle der Sabaiten in Ägypten verbreitete eine Propagandaflut gegen Utman (r). In jeder Stadt tauchten Briefe auf, in denen über Zwangs- und Notlagen anderer Städte berichtet wurde. Sabaitische Agenten am Ort sorgten für die Verbreitung dieser Briefe, und nach kurzer Zeit mussten die Bewohner einer Stadt denken, dass ihr Los das glücklichste sei und dass in anderen Teilen des Reiches unerträgliche Verhältnisse herrschten. Die Schuld daran schoben sie dem Kalifen zu.
Da die Verbreitung von Nachrichten damals schwierig war, erfuhren die Menschen nicht, wie das Leben in anderen Provinzen wirklich war. Die Sabaiten nutzten diese Situation zu ihrem Vorteil aus.

 

Ein alter Gefährte des Propheten wird ausgenutzt

 

 

Schon zu 'Umars Zeit war Mu'awiya Gouverneur von Syrien. Er war ein sehr kluger und geschickter Herrscher und jeder Lage gewachsen. Die sabaitischen Agenten hatten daher in Syrien keinen Erfolg. Abu Darr AI Gifaryy (r), ein wohlbekannter Gefährte des Propheten, Allahs Segen und Friede auf ihm, lebte in Syrien. Er hielt sich stets fern von weltlichen Dingen und Geldgeschäften. Nach seiner Meinung sollten die öffentlichen Gelder bei Eingang sogleich an die Armen verteilt werden. Er war gegen das Horten von Geld in der Staatskasse.

"Staatsgeld ist Volksgeld", sagte er, "und sollte jeweils sofort verteilt werden."

Mu'awiya war jedoch anderer Meinung: Er hielt es für richtig, dass die öffentlichen Einkünfte für Notfälle in der Zukunft zurückgelegt werden sollten. Er nannte das Staatsgeld "Allahs Geld", und er meinte damit, dass der Kalif berechtigt sei, das Geld so zu verwenden, wie er es im Interesse der Muslime für notwendig hielt. Abu Darr dachte anders. Ibn Saba'  versuchte, aus der Meinungsverschiedenheit zwischen dem Gouverneur und dem ehrwürdigen Sahaba des  Propheten seinen Vorteil zu ziehen. Er ging zu Abu Darr und sagte:

"Es ist seltsam, dass Mu'awiya Staatsgeld als "Allahs Geld" bezeichnet. Er meint damit, dass das Volk nichts über die Verwendung öffentlicher Gelder zu sagen habe." Abu Darr ging Ibn Saba' leicht in die Falle. Er suchte sogleich Mu'awiya auf und sagte:

"Was meinst du damit, dass du die öffentlichen Gelder als "Allahs Geld" bezeichnest?"

"Lieber Abu Darr", entgegnete Mu'awiya freundlich, "wir alle sind Allahs Diener. Daher ist all unser Geld, Allahs Geld! "

Diese Antwort stellte Abu Darr aber nicht zufrieden.

"Nun gut", sagte Mu'awiya, "in Zukunft will ich dieses Geld "öffentliches Geld" nennen."

Abu Darr ging noch auf einen anderen Punkt ein: Er mahnte, dass die Reichen kein Recht hätten, Reichtum anzusammeln. Alles, was ihre notwendigen Bedürfnisse übersteige, sagte er, sollte an die Armen gegeben werden. Um seinen Worten mehr Nachdruck zu verleihen, zitierte er die folgenden Verse des Qur'an(9:34f.):

"Und jenen, die Gold und Silber horten und es nicht für Allahs Weg verwenden - ihnen verheiße schmerzliche Strafe.

An dem Tage, wo es (Gold und Silber) im Feuer der Gahannam glühend gemacht wird und ihre Stirnen und ihre Seiten und ihre Rücken damit gebrandmarkt werden (, wird ihnen gesagt): "Dies ist, was ihr für euch selbst gehortet habt; kostet nun, was ihr zu horten pflegtet."

Auch hier unterschieden sich Mu'awiya und Abu Darr. Mu'awiya war der Meinung, dass ein Mann, der 2,5 % Zakah bezahlt habe, sein übriges Geld für sich verwenden könne, Abu Darrs Standpunkt machte großen Eindruck auf die Massen; denn der überwiegende Teil des Volkes war arm, und es wollte an den Segnungen des Reichtums teilhaben. So gewann Abu Darrs Bewegung schnell an Boden.

Mu'awiya schrieb darüber an Utman (r). Der Kalif schrieb zurück, dass Abu Darr nach AI-Madina geschickt werden solle mit allen Ehren, die man ihm schulde. In Al-Madina rief Abu Darr die gleiche Bewegung ins Leben. Utman (r) ließ ihn zu sich kommen und sagte: "Lieber Abu Darr! Ich werde das Volk zwingen, alles zu zahlen, was es Allah und Seinem Gesandten schuldet. Als Gegenleistung will ich die Rechte, die das Volk mir gegenüber hat, garantieren. Aber ich kann niemanden zwingen, die Welt aufzugeben." "Gut, dann schicke mich weg von Al-Madina", sagte Abu Darr. "Der Prophet sagte mir, dass ich AI-Madina verlassen solle, wenn es sich zu einer weltlichen Stadt entwickelt."

Utman sandte nun Abu Darr in ein kleines Dorf fern von Al-Madina. Er gab ihm einige Kamele mit und auch zwei Diener, die für ihn sorgen sollten.

 

Quellen der Unzufriedenheit

'Abdullah Ibn Saba' und seine Anhänger taten alles, was sie konnten, um die Unzufriedenheit über Utman (r) zu schüren. Andererseits trifft es jedoch zu, dass sich unter Utman manches verschlechtert hatte. Als Utman (r) Kalif wurde, funktionierte das Staatswesen reibungslos; in den folgenden

Jahren schlichen sich aber allmählich störende Faktoren ein. 'Umar (r) hatte seinen Offizieren nicht erlaubt, Eigentum außerhalb ihres Geburtsortes zu erwerben. Einer seiner Gouverneure bat einmal um die Erlaubnis, ein Haus in einer Provinzhauptstadt bauen zu dürfen.
"Nein", erwiderte 'Umar (r), "du hast ein eigenes Haus in Al- Madina, du brauchst kein weiteres Haus, solange du dieses hast."

Mit dieser Politik hielt 'Umar die führenden Familien des Islam in der Hauptstadt. 'Utman (r) wich von dieser Politik ab und erlaubte dem Volk, sich niederzulassen und Eigentum zu erwerben, wo es wollte.

Das Ergebnis war, dass die führenden Familien der Qurais sich auf verschiedene Städte verteilten und dort mächtig wurden, Dies führte dazu, dass sich eine einflussreiche Oberschicht bildete, und jede Familie versuchte, die andere zu übertrumpfen.

Die Banu Umayya und die Banu Hasim waren alte Rivalen. Die beiden ersten Kalifen Abu Bakr und 'Umar gehörten keinem dieser beiden Stämme an.

Aber Utman gehörte zu den Banu Umayya und gab seinen Verwandten hohe Staatsämter, was die Angehörigen der Banu Hasim und ihre Anhänger kränkte. In späteren Jahren geriet Utman (r) zu sehr in die Abhängigkeit eines seiner Verwandten, Marwan, einem sehr schlauen Mann, der beim Volk jedoch unbeliebt war.

Während Utmans Kalifat kam die Erweiterung des islamischen Reiches fast zum Stillstand. Männer, die vorher durch Kriege ganz in Anspruch genommen waren, begannen nun, sich für Politik zu interessieren.

AI-Kufa, Al-Basra, Ägypten und Syrien waren wichtige Militärbasen. Diese Stützpunkte waren meist in den Händen von Männern, die nicht mit dem Propheten, Allahs Segen und Friede auf ihm, zusammengelebt hatten. Das Prinzip der Gleichheit im Islam war ihnen etwas Unbekanntes. Sobald 'Umars starke Hand nicht mehr war, verfielen diese Offiziere in die alte Art, mit dem Volk umzugehen: Sie wollten eher die Herren als die Diener des Volkes sein, und sie trachteten

danach, denselben Komfort und Luxus zu haben wie die alten persischen und byzantinischen Herrscher.
Dadurch entstand eine Kluft zwischen Herrschenden und Beherrschten. Der freie Geist des Islam wurde zurückgedrängt. Das Volk, das früher Gleichheit kannte, war natürlich erbittert. Und der einfache Mann, der sie in vollem Ausmaß unter 'Umars Herrschaft kennengelernt hatte, gab dem neuen Kalifen die ganze Schuld.


 

Konferenz in Al-Madina

In allen Teilen des Reiches wuchsen Unzufriedenheit und Unruhe. Auch in Al-Madina spürte man ihre Auswirkung. Alle führenden Sahaba drängten deshalb den Kalifen, etwas dagegen zu tun. Utman (r) willigte ein, und er schrieb an alle Gouverneure, ihn während des Hagg im Jahre 34 n.H. aufzusuchen.

Der Kalif und die Gouverneure trafen sich zu einer Konferenz.

"Was ist der wahre Grund der Unruhe?" fragte Utman (r).

"Es ist das Werk der Aufrührer", antworteten sie. "Sie bewerfen den Kalifen und seine Mitarbeiter mit Schmutz. Sie wollen die Regierung stürzen."

"Wie kann man dem Einhalt gebieten?" fragte Utman.
Verschiedene Vorschläge wurden gemacht. In einem waren sie sich jedoch alle einig: Sie sagten, dass der Kalif eine unnachgiebige Haltung gegenüber den  Unruhestiftern einnehmen müsse. Utman stimmte dem nicht zu. In einer ergreifenden Rede sagte er zu den Gouverneuren:
"Ich habe eure Meinungen gehört. Ich fürchte, es ist die vom Gesandten Allahs vorausgesagte böse Zeit. Wenn es so ist, will ich alles tun, was in meiner Macht steht, um sie mit Güte und Vergebung hinauszuzögern. Ich will mit meinen Taten beweisen, dass ich nicht versäumt habe, Gutes für das Volk zu tun. Wenn ich morgen vor Allah trete, darf kein Tadel an mir haften. Ich bin sicher, dass die böse Zeit kommen wird. Aber verflucht soll Utman sein, wenn er sein Leben beendet und dazu beigetragen hat, dieses Unglück näherzubringen." Die Konferenz ging zu Ende, und Utman (r) erlaubte den Gouverneuren, sich zu verabschieden. Mu'awiya sagte: "Führer der Gläubigen! Ich glaube nicht, dass du in Al-Madina sicher leben kannst. Du solltest besser mit mir nach Syrien kommen."

"Selbst wenn man mir den Kopf abschlägt", antwortete Utman, "will ich Al-Madina nicht verlassen. Um keinen Preis werde ich mich aus der Umgebung des Propheten, Allahs Segen und Friede auf ihm, entfernen.
"Dann erlaube mir, einige Truppen aus Syrien zu deinem Schutz zu schicken", sagte Mu'awiya.

"Nein", war die Antwort, "ich will nicht, dass Menschen, die in der Nähe des Propheten, Allahs Segen und Friede auf ihm, wohnen, meinetwegen in Schwierigkeiten geraten."
Dann sandte der Kalif vier Männer, die ihm über die Lage berichten sollten, auf eine Rundreise durch die Provinzen. Drei von ihnen meldeten, dass die Verhältnisse normal seien. 'Ammar Ibn Yasir aber, der nach Ägypten ausgesandt worden war, kam nicht zurück, und der Gouverneur von Ägypten setzte den Kalifen davon in Kenntnis, dass 'Ammar zu den Sabaiten übergelaufen sei.

 

Die Lage spitzt sich zu

Die Feinde des Kalifen planten einen allgemeinen Aufstand während der Zeit, in der die Gouverneure zur Konferenz in AI-Madina weilten. Aber das Komplott konnte nicht ausgeführt werden. Die Aufrührer von Al-Kufa jedoch erlaubten ihrem Gouverneur nicht, die Stadt zu betreten, als er von der Konferenz zurückkam. Sie wollten Abu Musa Al-As'aryy als Gouverneur haben. Der Kalif entsprach ihrer Forderung und ernannte Abu Musa zum Gouverneur von Al-Kufa.

Die Aufrührer ersannen nun einen anderen Plan. Ihre Rädelsführer von jeder Provinz beschlossen, sich in AI- Madina zu treffen. Sie wollten die Verhältnisse in der Hauptstadt erkunden, um danach ihr weiteres Vorgehen zu bestimmen.

Also trafen sich die Rädelsführer aller Provinzen außerhalb von AI-Madina. Der Kalif erfuhr davon und sandte zwei Männer ihres Vertrauens zu ihnen. Die Männer kamen mit einer alarmierenden Nachricht zurück. Sie sagten, dass die Rädelsführer auf Unheil versessen seien. Sie beabsichtigten, zurückzukehren und den Leuten zu sagen, dass der Kalif sich geweigert habe, ihre Beschwerden anzuhören. Im folgenden Jahr wollten sie dann an der Spitze einer großen Menschenmenge nach Al-Madina ziehen, um den Kalifen zu töten. Utman (r) hörte die Nachricht ruhig an, unternahm aber nichts.

Dann kamen die Rädelsführer nach Al-Madina. Der Kalif war über ihre Pläne unterrichtet. Einige Leute waren der Meinung, dass sie alle getötet werden sollten; denn sie glaubten, das würde die Quelle des Übels zum Versiegen bringen. Aber der Kalif entgegnete:

"Ich kann niemanden ohne ausreichende rechtliche Grundlage töten. Diese Leute leben mit verschiedenen Missverständnissen. Ich will versuchen, sie aufzuklären. Ich will sie mit Güte und Vergebung auf den richtigen Weg bringen. Wenn diese Mittel versagen, dann will ich mich Allahs Willen fügen."

Utman weist die Anschuldigungen gegen ihn zurück

Der Kalif rief alle führenden Männer von AI-Madina ebenso wie die Rädelsführer, die aus den Provinzen gekommen waren, zusammen und richtete folgende Worte an sie: "Man sagt, ich hätte einige Viehweiden für die allgemeine Benutzung vorbehalten. Bei Allah, ich habe keine Weide zurückgehalten, die nicht vor mir schon zur allgemeinen Nutzung freigegeben war. Auf diesen Weiden grasen die Tiere, die Staatseigentum sind.

Mehr noch: diese Weiden stehen jedermann zur Verfügung. Nur diejenigen sind von der Benutzung ausgeschlossen, die durch Bestechung mehr erlangen wollten, als ihnen zusteht. Was mich betrifft, habe ich nicht mehr als zwei Kamele, die mir zur Zeit des Hagg dienen. Ihr alle wisst, dass zu der Zeit, bevor ich Kalif wurde, niemand in Arabien mehr Tiere besaß als ich.

Ich habe beglaubigte Abschriften des Qur'an in alle Teile des Reiches gesandt. Nun gibt es Leute, die mir das zum Vorwurf machen. Ihr alle wisst, dass der Qur'an ein von Allah (t) offenbartes einziges Buch ist.

Die Sahaba, die dieses Buch unter den Augen des Propheten, Allahs Segen und Friede auf ihm, niedergeschrieben haben, leben noch. Sie sind es, die die Abschriften, die ich überall hingeschickt habe, zusammengetragen haben.
Man sagt, ich hätte junge Männer zu Offizieren ernannt. Tatsache ist, dass nicht das Alter, sondern die Fähigkeit und der Charakter meine Wahl bestimmt haben. Die hier anwesenden Männer aus den Provinzen können die Tüchtigkeit und Ehrenhaftigkeit meiner Offiziere nicht leugnen. Wegen seiner Jugend allein kann niemandem die Fähigkeit für ein Amt abgesprochen werden. Der Prophet, Allahs Segen und Friede auf ihm, gab Usama den Oberbefehl über eine Armee, obwohl dieser jünger war als alle Männer, die ich ernannt habe.

Es wird behauptet, ich hätte dem Gouverneur von Ägypten die ganze Beute von Nordafrika als Belohnung gelassen. In Wirklichkeit erhielt er nur ein Fünftel des fünften Teiles dessen, was dem Staat zustand. Bereits vor meiner Zeit als Kalif gab es Beispiele solcher Belohnungen, Als ich jedoch erfuhr, dass das Volk dagegen war, nahm ich das Geld vom Gouverneur zurück.

Man wirft mir vor, dass ich meine Verwandten liebe und sie belohne. Es ist keine Sünde, seine Verwandten zu lieben. Aber diese Liebe hat mich niemals zu Ungerechtigkeiten gegenüber anderen Menschen verleitet. Was die Belohnungen anbelangt, habe ich keinem Verwandten etwas aus der Staatskasse gegeben, es sei denn, er hat einen Anspruch darauf gehabt. Ich beschenke sehr wohl meine Verwandten, jedoch nur aus meiner eigenen Tasche. Ich machte ihnen

Geschenke, ehe ich Kalif wurde. Jetzt, da ich alt bin und nicht mehr lange leben werde, will ich nichts für mich zurückbehalten. Ebensowenig wie ich für mich selbst etwas aus der Staatskasse nehme, tue ich es für meine Verwandten. Die Einkünfte jeder Provinz kommen ausschließlich dem Volk dieser Provinz zugute. In den Staatsschatz von Al-Madina kommt nur der fünfte Teil der Beute. Dieses Geld wird vom Volk selbst in Notzeiten verbraucht.

Man sagt, ich hätte Land an meine Freunde verschenkt. Das ist nicht wahr. Viele Leute aus Al-Madina begleiteten die kämpfenden Truppen. Einige von ihnen ließen sich in den eroberten Ländern nieder, wo sie Land erwarben. Später kamen einige von ihnen nach Al-Madina zurück. Das einzige, was ich getan habe, ist, dass ich in verschiedenen Teilen des Reiches ihr Land verkauft und ihnen den Erlös erstattet habe." Der Kalif fragte seine Zuhörer, ob seine Angaben wahr seien. Alle bestätigten es. Jedem Anwesenden wurde klar, dass alles, was dem Kalifen zur Last gelegt wurde, falsch war. Aber niemand hatte eine Idee, wie man den Kalifen in den Augen des Volkes von dem falschen Verdacht befreien könnte.

Der Marsch der Aufrührer nach Al-Madina

Die Rädelsführer kehrten in ihre Provinzen zurück. Sie sagten den Leuten, dass der Kalif nicht bereit sei, die "Missstände" abzustellen. Sie warteten den nächsten Hagg ab, und als die Zeit des Hagg näherrückte, entschlossen sie sich, starke Gruppen von Al-Basra, Al-Kufa und Ägypten auszusenden, scheinbar zur Pilgerfahrt. Von Makka sollten diese Gruppen dann nach AI-Madina marschieren und die Sache mit dem Schwelt entscheiden.

Der Kalif hatte von diesem Komplott der Aufrührer lange zuvor Kenntnis erhalten. Aber er wollte keine Gewalt gegen seine Feinde anwenden. Er war entschlossen, sie mit Liebe zu gewinnen oder bei diesem Versuch umzukommen.
Im Monat Sawwal des Jahres 35 n.H. brachen die Aufrührer von Al-Basra, Al-Kufa und Ägypten auf, und zwar in kleinen Gruppen. Von jeder Provinz waren es etwa 1000 Mann. Sie marschierten nach Al-Madina und lagerten einige Kilometer vor der Stadt an drei verschiedenen Plätzen. Einige Ägypter kamen zu 'Alyy (r) und forderten ihn auf, ihr Anführer zu sein. Er lehnte dies jedoch ab. Einige Männer von Al-Basra gingen zu Talha (r) mit der gleichen Aufforderung und erhielten dieselbe Antwort. Die Aufrührer von Al-Kufa stellten das gleiche Ansinnen an Az-Zubair (r). Aber auch er weigerte sich, an ihren schändlichen Plänen teilzunehmen.

 
  71652 ziyaretçi (145652 klik)  
 
Bu web sitesi Bedava-Sitem.com ile ücretsiz oluşturuldu. Siz de kendi web sitenizi ister misiniz?
Ücretsiz kayıt ol