TASAVVUF ALEMİ - AL ISLAM
  Umar (2)
 

Umar

Ungewohntes Gespräch bei Yezdegerd 

Sa'd erhielt die Anweisung, dem Feind vor Beginn des Kampfes den Frieden anzubieten. Als Unterhändler wurden die Oberen von 14 verschiedenen Stämmen entsandt. Yezdegerd versammelte seine Ratgeber, um die Unterhändler zu empfangen. Der Hof war ein Spiegel persischen Pomps und Glanzes; denn die Perser wollten durch Prachtentfaltung die Augen der Wüstenbewohner blenden. Aber es zeigte sich, daß die Muslime von anderer An waren: Mit Umhängetüchern aus dem Yemen um die Schultern, Lederschuhen an den Füßen und Peitschen in den Händen gingen sie unbekümmert an den Hof. Die Höflinge und der Kaiser waren gleichermaßen über das furchtlose Auftreten der Muslime erstaunt.

Die Friedensgespräche begannen. Yezdegerd fragte die Abgesandten, weshalb sie in sein Land gekommen seien. Nu'man Ibn Muqarrin, der Leiter der Abordnung, trat hervor und sagte:
"Herrscher, vor nicht allzulanger Zeit waren wir noch ein unwissendes und wildes Volk. Allah hatte Mitleid mit uns und sandte uns Seinen auserwählten Propheten. Der Prophet zeigte uns den Weg der Wahrheit. Er rief uns zu einem besseren Leben auf und befreite uns von allem Übel. Er versprach uns in diesem und im nächsten Leben Erfolg, wenn wir seine Botschaft anerkennen. Wir glauben an seine Sendung.

 Dann befahl er uns, seine Botschaft, den Islam, den uns umgebenden Völkern zu bringen. Der Islam ist der Urquell alles Guten. Er sagt ganz klar, was gut und was böse ist. Persische Edle, wir rufen euch auf den Weg des heiligen Glaubens. Wenn ihr ihn annehmt, kann es nur das Beste für euch sein, und wir werden euch in Frieden lassen. Wir werden euch Allahs geschriebenes Gebot übergeben. Dieses Buch wird euer Führer sein. Ihr werdet seine Gebote befolgen. Aber wenn ihr die Botschaft des Islam zurückweist, müßt ihr unter unserer Herrschaft leben und die Gizya bezahlen. Auch müßt ihr dafür sorgen, daß es keine Ungerechtigkeiten und üble Taten mehr in eurem Land gibt.

Wenn   ihr  auch   dies  verweigert,  muß   das   Schwert entscheiden." Yezdegerd hörte diese Rede ruhig an und sagte: "Araber, vor nicht allzulanger Zeit gab es kein Volk, das so armselig und verkommen war wie ihr. Es genügte die Anweisung an einen Grenzposten, um Vergehen von euch zu bestrafen und Ordnung zu schaffen. Daher rate ich euch, eure Eroberungsgelüste aufzugeben. Sollte es euch an Nahrung oder anderen Dingen fehlen, laßt es uns wissen. Wir werden euch mit dem Notwendigen versorgen. Wir werden auch einen gerechten Herrscher über euch ernennen, der euch mit Güte regieren wird."

Nach diesen Worten stand Al-Mugira Ibn Zarara auf und erwiderte: "Kaiser, wir lebten tatsächlich so armselig, wie ihr sagtet, vielleicht sogar in noch schlimmerem Maße. Wir aßen tote Tiere, bekleideten uns mit Fellen und schliefen auf dem Boden. Aber seit Allahs auserwählter Prophet unter uns erschienen ist, haben wir uns grundlegend geändert. Seine wunderbare Lehre und sein erhebendes Beispiel haben uns zu den Führern der Welt gemacht. Auch stolze Herrscher wie ihr fürchten uns jetzt. Kaiser, jedes weitere Gespräch ist nutzlos. Entweder erkennt ihr den auserwählten Propheten an und beugt euch vor seiner erhabenen Lehre, oder ihr zahlt die Gizya. Wenn ihr beides verweigert, entscheidet das Schwert!" Al-Mugiras Worte brachten den Kaiser außer Fassung.

"Bei Yazdan", brüllte er zornig, "wenn uns nicht das Gesetz daran hinderte, das Blut von Unterhändlern zu vergießen, hätte ich euch enthaupten lassen! Aber ich werde Rustum beauftragen, mit euch abzurechnen. Er wird euch und alle eure Kameraden in der Erde von Al-Qadisiyya begraben."

Dann frage er: "Wer hat das größte Ansehen unter euch?"

"Ich", antwortete 'Asim Ibn 'Umar.

Der Kaiser ließ einen Korb mit Erde füllen und ihn 'Asim auf den Kopf setzen. Dieser lief davon und brachte ihn zu seinem Befehlshaber Sa'd. Als er den Korb vor diesem niedergesetzt hatte, sagte er:

"Ich gratuliere dir zum Sieg! Der Feind hat uns sein Land selbst ausgehändigt!"

Sa'd gefiel dies sehr, und er nahm dies als ein gutes Vorzeichen für den Sieg der Muslime. Der Fortgang der Ereignisse gab ihm recht.

 

 

 

Rustums Demütigung

 

Mit einer Armee von 120.000 Mann zog Rustum nach Al-Qadisiyya. Hier bezog er Stellung für die Schlacht, aber im Innersten seines Herzens fürchtete er die Muslime. Daher zögerte er den Beginn der Schlacht um einige Wochen hinaus. Ständig waren Abgesandte beider Seiten unterwegs. Der letzte Abgesandte, der Rustum aufsuchte, war Al-Mugira Ibn Su'ba. Rustum tat alles, was er konnte, um den Muslim mit Glanz zu blenden: Er saß auf einem goldenen Thron, hatte eine Diamantenkrone auf dem Haupt, und der ganze Hof war mit Brokat, Gold und Diamanten reich geschmückt. Al-Mugira Ibn Su'ba stieg vom Pferd herab, ging geradewegs zu Rustums Thron, stieg hinauf und setzte sich an Rustums Seite.

 Alle Anwesenden waren aufs äußerste verblüfft; denn so etwas Ungeheuerliches hatte noch niemand gewagt. Schließlich kamen Wachen herbeigelaufen und zwangen Al-Mugira, vom Thron herunterzusteigen. Al-Mugira blieb jedoch kühl und sagte, an den versammelten Hof gerichtet: "Edle von Persien! Ich hielt euch für weise, aber ihr habt euch als töricht erwiesen. Wir Muslime erheben niemals einen Menschen in den Rang von Göttern. Die Schwachen unter uns glauben nicht an die Überlegenheit der Starken, und ich dachte, ihr würdet nach denselben Grundsätzen handeln. Ich wußte nicht, daß bei euch die Starken über Schwachen stehen und von diesen angebetet werden. Auch war mir nicht bekannt, daß ihr nicht an die Gleichheit der Menschen glaubt. Wenn ich das gewußt hätte, wäre ich überhaupt nicht erst an euren Hof gekommen. Aber ich sage euch, daß ihr mit diesen Methoden euer Reich nicht halten könnt. Unruhe unter den Schwachen wird alles auf den Kopf stellen." Mit Al-Mugiras Rede waren die Friedensgespräche beendet. Aber in den Ohren der persischen Noblen klangen seine Worte nach.

"Wie wahr die Worte dieses freimütigen Muslims sind!" sagten einige.

"Der Bursche hetzt unser Volk gegen uns auf, sagten andere, "es wäre töricht, auf die Muslime herabzusehen."

 

 

 

Die Schlacht

 

Im Monat Al-Muharram des Jahres 14 n.H. begann endlich die Schlacht von Al-Qadisiyya. Sa'd Ibn Abi Waqqas (r), der muslimische Oberbefehlshaber, war jedoch krank und erlitt starke Schmerzen. So konnte er den Einsatz nur vom Dach eines nahe gelegenen Hauses aus leiten. Er befahl den Angriff nach dem frühen Nachmittagsgebet. Nach islamischer Regel rief der Befehlshaber dreimal laut: "Allahu akbar!"

Beim vierten Ausruf setzte sich das Heer in Bewegung. Der Kampf dauerte bis spät in den Abend. Die persischen Elefanten waren wieder das Schreckgespenst für die arabischen Pferde, und die muslimischen Bogenschützen versuchten, sie und ihre Reiter zu treffen. Aber das Problem mit den Elefanten blieb ungelöst, und der erste Tag endete mit einem Vorteil für die Perser.

Am Morgen des zweiten Tages wurde die Schlacht fortgesetzt. Die Toten wurden beerdigt, die Verwundeten der Pflege der Frauen überlassen. Vor Beginn des Kampfes traf Verstärkung aus Syrien ein. Es waren 6000 Mann, die jedoch bis zum Abend in kleineren Gruppen heraneilten. Diese Taktik erweckte bei den Persern den Eindruck, daß sich die islamische Armee ständig vergrößere. Der Gedanke erfüllte sie mit Schrecken.

Die syrischen Truppen hatten sich etwas besonders Kluges ausgedacht, um gegen die Elefanten zu kämpfen: Sie bedeckten ihre Kamele mit großen schwarzen, wehenden Umhängen, und dieser Anblick bewirkte, daß die Elefanten verwirrt wurden und sich nicht mehr leiten ließen. Bis Mitternacht blieben die beiden Heere in einen Kampf auf Leben und Tod verwickelt. Bahman, Prinz Schahr Baraz und viele andere persische Führer wurden getötet. Die Muslime erlangten insgesamt einen klaren Vorteil.

 

 

 

Ein seltsamer Vorfall

 

Am darauffolgenden Tag ereignete sich während der Schlacht ein seltsamer Vorfall. Abu Mahgan At-Taqafyy war ein großer Krieger und guter Dichter, aber Sa'd hatte ihn betrunken angetroffen und ins Gefängnis geworfen. Vom Fenster seines Gefängnisses aus sah der tapfere Krieger die bewegten Szenen der Schlacht und wäre gern dabeigewesen. Da ging Sa'ds Frau Salma vorbei; er flehte sie an, ihn zu befreien, damit er am Kampf teilnehmen könne. Er versicherte ihr: "Wenn ich am Abend noch lebe, kehre ich in diese Zelle zurück und lege die Fesseln wieder an." Salma war bewegt von seinen Worten und befreite ihn. Abu Mahgan stürzte sich daraufhin sofort in das Getümmel der Schlacht.

Sa'd bemerkte vom Dach des Hauses aus die überragenden Heldentaten eines einzelnen Kriegers. Überall, wo er auftauchte, brachen die feindlichen Linien zusammen; Sa'd war voller Lob über seinen Mut und wollte wissen, wer er sei.

Am Abend kehrte Abu Mahgan freiwillig ins Gefängnis zurück und legte seine Fesseln an. Am Morgen erfuhr Sa'd von seiner Frau alles über den tapferen Gefangenen. Jetzt wußte er, wer der bewundernswerte Krieger des vergangenen Tages war.

"Bei Allah !" erklärte Sa'd (r). "Ich kann einen Mann, der sich so sehr für seinen Glauben einsetzt, nicht hinter Gitter sperren."

"Bei Allah !" erklärte Abu Mahgan nach seiner Freilassung.

"Ich will nie mehr einen Tropfen Wein zu mir nehmen!"

Niederlage der Perser 

Der dritte Tag der Schlacht begann. Die persischen Elefanten waren noch immer ein Problem, und Sa'd fragte schließlich zwei  persische  Muslime,  wie  man ihnen  am besten beikommen könne.

"Stecht ihnen die Augen aus!" rieten sie.

Es gab zwei große Elefanten, die die Herde anführten. Zwei muslimische Krieger übernahmen es, eines der riesigen Tiere zu erledigen: Gleichzeitig stachen sie mit ihren Speeren seine beiden Augen aus, dann schlug ihm einer von beiden den Rüssel ab. Das gleiche geschah mit dem zweiten Riesen.

Wahnsinnig vor Schmerz taumelten beide Elefanten zum Fluß zurück, und der Rest der Herde folgte den geblendeten Anführern. Von da an wurden die Elefanten nicht mehr gesehen.

Die Schlacht wütete Tag und Nacht mit unverminderter Heftigkeit.   Im   Morgengrauen    trieben   die   Oberen verschiedener arabischer Stämme ihre Männer mit lauten Rufen zu einem letzten Vorstoß an. Diese sprangen von ihren Pferden und stürzten sich mit gezogenem Schwert in die feindlichen Linien. Noch vor Mittag waren sie im Zentrum der persischen Streitkräfte. Einige von ihnen drangen sogar bis zu Rustum, dem persischen Befehlshaber, vor. Dieser saß auf seinem goldenen Thron und leitete von hier aus das Gefecht. Überrascht sprang er herab und kämpfte vorbildlich, aber schließlich wurde er von dem muslimischen Soldaten Hilal Ibn 'Alqama erschlagen. Hilal sprang auf Rustums goldenen Thron und rief aus:

"Beim Herrn der Al-Ka'ba, ich habe Rustum erschlagen! " Rustums Tod besiegelte den Zusammenbruch der persischen Streitkräfte. Die Standarte Durfasch-i-Kawayani fiel in muslimische Hände. 30.000 Perser wurden getötet; die Muslime hatten 8000 Gefallene zu beklagen.

Der Kalif erhält die Siegesnachricht 

'Umar (r) bangte sehr dem Ausgang der Schlacht entgegen. Jeden Morgen ging er einige Kilometer vor AI-Madina hinaus und wartete auf einen Boten aus Al-Qadisiyya. Eines Tages sah er einen Kamelreiter in der Ferne. "Woher?" fragte 'Umar, als der Reiter nähergekommen war.

"Von Al-Qadisiyya!" hieß die Antwort, und der Mann ritt weiter. 'Umar (r) lief neben ihm her, um Schritt zu halten, und fragte weiter:

"Aber welche Neuigkeiten bringst du denn?"   

"Allah hat den Muslimen den Sieg verliehen", antwortete der Bote.

Nun lief 'Umar (r) weiter, um noch mehr Einzelheiten von ihm zu erfahren. Als beide die Stadt erreichten, begrüßte das Volk 'Umar als den Führer der Gläubigen. Der Bote war völlig überrascht; denn er hatte 'Umar vorher nie gesehen. "O Führer der Gläubigen", fragte er mit leiser Stimme,

"warum hast du nicht gesagt, wer du bist?"

"Mach dir deshalb nur keine Sorgen", sagte 'Umar, "bitte fahre fort mit den Einzelheiten deines Berichts! "

Die Eroberung Persiens 

"Eine Gruppe von Muslimen wird den »Weißen Palast« des persischen Kaisers besetzen", hatte der Prophet, Allahs Segen und Friede auf ihm, vor einigen Jahren voraussgesagt. Die stolze Hauptstadt des Perser-Reiches war Al-Mada'in. Hier lebte der mächtige Kaiser in seinem berühmten "Weißen Palast". Die Kaiserstadt war nicht mehr als 40 Meilen von Al- Qadisiyya entfernt.

Nach dem Sieg von Al-Qadisiyya blieb Sa'ds Heer zwei Monate in Ruhestellung. Als die Männer sich erholt hatten, befahl Sa'd den Marsch auf Al-Mada'in.  Städte und Befestigungen am Wege wurden mühelos eingenommen, und bald erreichten die Muslime das Ufer des Tigris. Auf der anderen Seite glänzte der "Weiße Palast" in der Sonne.

Die Perser hatten die Brücke über dem Fluß zerstört. Sa'd befahl einigen seiner Leute, überzusetzen und das andere Ufer für eine Landung des Heeres zu sichern. Sechzig Reiter stürzten sich sogleich in den Fluß. Dieser Anblick erschreckte die persischen Wachen so sehr, daß sie laut schreiend davonliefen:
"Die Riesen sind da! Die Riesen sind da!"

So setzte Sa'd mit seinem Heer über, ohne auf Widerstand zu stoßen. Yezdegerd und sein Hof waren schon geflohen. Als die Muslime schließlich im "Weißen Palast" waren, fanden sie Mengen von Edelsteinen und unermeßliche Schätze. Ein Fünftel dieser reichen Beute wurde nach AI-Madina geschickt, der Rest wurde unter die Männer verteilt. Jeder Soldat erhielt 12.000 Goldstücke und andere wertvolle Gegenstände. Sa'd und 'Umar dankten Allah dafür, daß ihre Männer sich während des ganzen Feldzuges als vollkommen ehrlich und aufrichtig erwiesen hatten.

Umar weint

 

Als die reiche Beute aus dem "Weißen Palast" in Al-Madina eintraf und in der Propheten-Moschee aufgehäuft wurde, brach 'Umar bei diesem Anblick in Tränen aus.

"Das ist doch kein Grund zum Weinen", bemerkte einer, der dabeistand.

"Ich weine", sagte 'Umar (r), "weil Reichtum Feindschaft und gegenseitige Erbitterung hervorruft, und ein Volk mit diesen üblen Eigenschaften verliert sein Ansehen."

Zur Beute gehörte auch das Schwert des Kaisers. Sein Knauf war mit Juwelen von besonderer Schönheit verziert. Der Kalif bewunderte die Pracht des Schwertes und lobte auch die Ehrlichkeit seiner Truppen, die nichts für sich zurückbehalten hatten von dem, was in ihre Hände gefallen war.

"Führer der Gläubigen", bemerkte 'Alyy Ibn Abi Talib (r), "wenn du solch ein erhebendes Beispiel von Ehrlichkeit gibst, wie sollte dann dein Volk nicht auch ehrlich sein?“

Die Schlacht bei Nahawand

 

'Umar hatte nicht den Wunsch, das ganze Perser-Reich zu erobern; er wollte nur das arabische Land von den Persern zurückbekommen. Nachdem er dies erreicht hatte, wollte er Frieden. Er sagte oft:
"Ich wünschte mir einen feurigen Berg zwischen uns und den Persern, damit wir in Frieden leben könnten."

Aber Yezdegerd wollte das nicht. Er versuchte immer wieder, zurückzugewinnen, was ihm einmal gehört hatte. Dies führte zu ständigen Gefechten. Das von Gallula' wurde zu einer der heftigsten Schlachten. Die Perser wurden überall geschlagen. Yezdegerd floh von Ort zu Ort, wollte aber keinen Frieden schließen. Schließlich ging er nach Khorasan und ließ sich in Merv nieder. Hier bereitete er einen umfassenden Krieg gegen die Muslime vor.

Sa'd schrieb dem Kalifen, was in Persien vor sich ging. Einige schlugen vor, daß 'Umar selbst ein Heer gegen Yezdegerd anführen solle. Aber 'Alyy Ibn Abi Talib war anderer Meinung. Danach sollte der Kalif in der Hauptstadt zurückbleiben. 'Umar stimmte schließlich 'Alyy's Vorschlag zu. Er ernannte Nu'man Ibn Muqarrin zum Befehlshaber des Heeres gegen Yezdegerd. Nu'man war im Monat Al-Muharram des Jahres 19 n.H. zur Schlacht bereit.

 Der persische Kaiser führte eine Armee von 150.000 Mann an. Beide Heere trafen bei Nahawand aufeinander. Zwei Tage lang kämpften sie ohne einen klaren Vorteil für eine Seite, am dritten Tag zogen sich die Perser hinter Befestigungen zurück. Da die Muslime den Kampf nicht in die Länge ziehen wollten, lockten sie den Feind mit einer Kriegslist aufs offene Feld.

Nun entstand ein erbarmungsloses Handgemenge, das bis in den späten Abend anhielt. Es floß so viel Blut, daß das Schlachtfeld davon durchtränkt wurde. Das Pferd des Kommandierenden Nu'man rutschte auf dem glitschigen Boden aus; er fiel hinunter und wurde verwundet. Sein Bruder ließ ihn sogleich an einen geschützten Platz bringen, dann bekleidete er sich mit Nu'mans Kopfbedeckung und Umhang und bestieg selbst dessen Pferd. Dadurch erfuhren die Krieger nichts von der Abwesenheit ihres Befehlshabers und kämpften weiter wie zuvor.

Im Schutz der Nacht wandten sich schließlich die Perser zur Flucht. Sie wurden aber verfolgt und zu Tausenden getötet. Reiche Beute fiel in die Hände der siegreichen Muslime.

Nu'mans Wunden stellten sich als tödlich heraus. Er erlebte aber noch den glücklichen Ausgang der Schlacht.

"Tausendfachen Dank an Allah", hauchte er noch "gebt 'Umar Nachricht."

Im nächsten Augenblick verschied er. ´Umar war glücklich über die Siegesnachricht. Als er aber von Nu'mans Tod erfuhr, brach der Kalif in Tränen aus und weinte lange.

Persien in muslimischer Hand 

Nach dem Sieg von Nahawand entschloß sich 'Umar (r), das persische Problem ein für allemal zu lösen. Die Städte Al-Basra und Al-Kufa im Irak waren bereits gegründet und dienten den Muslimen als militärische Basis. Von diesen Stützpunkten aus sollten mehrere Heere unter verschiedenen Befehlshabern in die einzelnen persischen Provinzen einmarschieren. Die Eroberung war in rund fünf Jahren abgeschlossen. Etwa um das Jahr 23 n.H. war fast ganz Persien Teil des islamischen Reiches.

Al-Hakam Ibn 'Umair At-Taglabyy drang nach Osten bis Sind vor. Ein großes Heer der Belutschen stellte sich ihm entgegen. Der Radscha von Sind sandte seine Streitkräfte zur Verstärkung. Aber Al-Hakam gewann, und Makran wurde ein Teil des islamischen Reiches.

Al-Hakam wollte noch weiter nach Osten ziehen: Sein Wunsch war, die Fahne des Islam bis nach Indien zu tragen. Aber 'Umar wollte das islamische Reich nicht weiter ausdehnen und dafür muslimisches Blut vergießen. Daher untersagte er Al-Hakam, über Makran hinauszugehen.

Yezdegerd verursachte noch eine Zeit lang Schwierigkeiten. Er stellte einige Armeen auf und versuchte, die Macht zurückzugewinnen. Er erhielt sogar militärische Hilfe von den benachbarten türkischen Königreichen. Alle seine Versuche scheiterten jedoch. Schließlich gab er die Hoffnung auf und floh nach Transoxanien, wo er während der Regierungszeit ´Utmans getötet wurde.

Hurmuzans List 

Während die Besetzung Persiens vor sich ging, verursachte Hurmuzan, ein führender Perser, einiges Kopfzerbrechen in AI-Madina. Er war Statthalter von Al-Ahwaz an der Küste des Golfs. Zweimal schon war er in Schlachten geschlagen worden und hatte um Frieden gebeten, aber jedesmal hatte er sein Wort wieder gebrochen und dadurch neue Streitigkeiten verursacht.

Der Kalif war verwirrt und fühlte sich veranlaßt, etwas dagegen zu unternehmen.

Die Befehlshaber von Al-Basra und Al-Kufa erhielten den Befehl   zu   einem   zangenartigen   Angriff  gegen   den argwöhnischen Hurmuzan. Dieser zog sich in die Festung Schuschter zurück, da er zu einer offenen Schlacht nicht fähig war. Die Belagerung der Festung dauerte einen ganzen Monat. Hurmuzan fühlte sich hilflos und gab schließlich unter der Bedingung auf, zum Kalifen geschickt zu werden, der mit ihm machen sollte, was er für richtig hielt.

Bald war Hurmuzan unter Bewachung auf dem Weg nach AI- Madina. Als die Stadt in Sicht kam, legte er glänzende, seidene Gewänder an und setzte eine Juwelenkrone auf. Der Anblick des Kalifen in geflickter Kleidung nahm dem stolzen Perser fast den Atem. "Warum hast du dein Wort immer wieder gebrochen?" fragte der Kalif.

Ehe Hurmuzan auf die Frage antwortete, bat er um einen Trunk, und es wurde ihm ein Becher Wasser gebracht. Während er diesen in der Hand hielt, rief er: "Ich fürchte, ich werde erschlagen, ehe ich mit dem Trinken fertig bin!"

"Keine Angst", sagte der Kalif, "bevor du nicht ausgetrunken hast, wirst du nicht getötet."

Da goß der Perser das Wasser aus und sagte: "Nun kannst du mich nicht erschlagen; ich habe dein Wort." Alle waren  sprachlos über diesen Trick.  Da erklärte Hurmuzan seinen Übertritt zum Islam, indem er die AS- Sahada sprach.

"Ich bat nur deshalb um Wasser", fuhr Hurmuzan fort, "um von dir das Versprechen zu erhalten, daß du mein Leben schonst. Ich habe diesen Trick gebraucht, damit die Leute nicht behaupten können, ich wäre aus Angst um mein Leben Muslim geworden."

Der Kalif war belustigt. Hurmuzan verbrachte den Rest seines Lebens in Al-Madina.

Der Feldzug nach Syrien 

Als 'Umar Kalif wurde, herrschte noch Krieg mit Byzanz. Einige Tage danach erlitt der Feind die schwere Niederlage am Al-Yarmuk. Aber er nahm diese nicht zum Anlaß, die Beziehungen zu den Muslimen endgültig zu regeln; denn Byzanz hielt es für nötig, die Schande der Niederlage wieder auszumerzen. Bald wurden große Heere in Damaskus und Fahl aufgestellt.

Der Kaiser von Byzanz wollte zurückerobern, was er verloren hatte, und außerdem wollte er den Muslimen eine Lektion erteilen, die sie nicht vergessen sollten. Der muslimische Befehlshaber Abu 'Ubaida (r) bat den Kalifen schriftlich um Anweisungen. 'Umar (r) ordnete den Angriff an beiden Fronten an, worauf Abu 'Ubaida beide Städte nacheinander belagerte.

Der Fall von Damaskus 

Damaskus war die Hauptstadt von Syrien, und sie war sehr stark befestigt. Abu 'Ubaida leitete den Angriff mit Hilfe fähiger Generäle wie Halid Ibn Al-Walid, 'Amr Ibn AI-'As und Yazid Ibn Abu Sufyan. Aber die byzantinischen Streitkräfte hatten sich in die Stadt zurückgezogen und wollten nicht zum Kampf herauskommen.

Halid suchte ständig nach einer günstigen Gelegenheit zum Angriff und schlief deshalb nachts kaum. Eines Nachts bemerkte er in der Stadt eine ungewöhnliche Aufregung. Spione brachten die Nachricht, daß dem Statthalter ein Sohn geboren worden sei und daß das Volk sich dem Trunk und Vergnügen hingegeben habe.

Halid  sah endlich  seine Chance:  Er überquerte den Festungsgraben in Begleitung einiger sorgfältig ausgewählter Männer, die starke Seile bei sich hatten. Damit gelang es ihnen, die Stadtmauer zu erklettern, dann sprangen sie hinab, töteten die Wachen und öffneten das Tor. Mit dem Ruf "Allahu akbar!" drangen Halids Truppen in die Stadt ein.

Die byzantinischen Heeresführer waren völlig überrascht. Hastig öffneten sie das Stadttor auf der anderen Seite, liefen zu Abu 'Ubaida und baten um Frieden.

Dieser wußte noch nichts von Halids gewagtem Handstreich und gewährte ihnen bereitwillig Frieden zu günstigen Bedingungen.

Von den entgegengesetzten Toren kommend, trafen Halid und Abu 'Ubaida in der Mitte der Stadt aufeinander. Jetzt bemerkte Abu 'Ubaida die List des Feindes, aber er blieb bei den Bedingungen, die er gewährt hatte.

Damaskus fiel im Monat Ragab des Jahres 14 n.H. Zum Gouverneur von Damaskus wurde Yazid Ibn Abu Sufyan ernannt. Er und sein jüngerer Bruder Mu'awiya eroberten das umliegende Gebiet mit seinen Städten. 

Halids Verdienste werden anerkannt 

Von Damaskus aus marschierte die islamische Armee nach Fahl und eroberte es. Dann nahm sie die Befestigungen Marg Ar-Rum, Hirns und Qansrin ein. In all diesen Kämpfen spielte Halid (r) eine führende Rolle.

Als 'Umar von Halids gewagten Unternehmungen erfuhr, war er voller Lob für ihn.

"Möge Allah Abu Bakr segnen!" rief er aus. "Er kannte die Menschen besser als ich und hat Halid an den richtigen Platz gestellt. Ich habe ihn nicht deshalb seines Postens enthoben, weil er Fehler gemacht hätte, sondern weil ich befürchtet hatte, daß die Muslime zu sehr von ihm abhängig würden. Immerhin hat Halid allein durch seine Leistungen den Rang eines Befehlshabers verdient."

Der Kalif erhöhte Halids Rang und vergrößerte seine Macht.

Heraklios flieht aus Syrien 

Als Damaskus fiel, hielt sich der Kaiser von Byzanz in Antiochia auf. Kaum hatte man sich von dieser Niederlage erholt, fielen schnell andere wichtige Städte. Die byzantinischen Streitkräfte waren einfach hilflos gegen die vordringende Flut des islamischen Heeres. Nach den fortwährenden Niederlagen gab der Kaiser schließlich die Hoffnung auf, Syrien halten zu können. Um den Rest des Reiches zu sichern, verzichtete er auf dieses Land.

"Lebe wohl, schönes Syrien", sagte er mit einem Seufzer, als er von einem Hügel aus das Land überblickte, "nie mehr werde ich dich wiedersehen."

Heraklios wundert sich

 

Als Heraklios seine Hauptstadt Konstantinopel erreicht hatte, ließ er einen ehemaligen Kriegsgefangenen zu sich kommen. Dieser war in die Hände der Muslime gefallen und erst vor kurzem geflohen.

"Was für ein Volk ist das?" fragte der Kaiser. Der Mann entgegnete:

"O Kaiser! Es ist ein wunderbares Volk: am Tage furchtlose Krieger,  in  der Nacht   andächtig  Betende.  Von  den unterworfenen Völkern verlangen die Muslime nichts, wofür sie nicht auch bezahlen. Überall verbreiten sie Frieden und Gerechtigkeit. Aber wenn ein Volk sich ihnen entgegenstellt, ruhen sie nicht eher, bis es nachgibt."

 "Wenn sie solch magische Kräfte besitzen", sagte der Kaiser, "werden sie sicherlich eines Tages auch den Boden unter meinen Füßen erobern."

 Der Fall von Antiochia und Adnadain 

Die Muslime nahmen Aleppo ein und zogen dann gegen Antiochia. Als "Asiatische Hauptstadt des Kaisers" nahm diese Stadt eine Schlüsselstellung ein, aber sie konnte ohne großen Widerstand genommen werden.

Während Abu 'Ubaida und Halid in Nordsyrien beschäftigt waren, vertrieb Yazid, der Sohn Abu Sufyans, den Feind vom libanesischen Küstenstreifen. Nach der Einnahme von Beirut besetzte er die Küste in ihrer ganzen Länge.

Als nächstes fiel die Festung von Adnadain. Nun kam Jerusalem an die Reihe, das bereits von einer islamischen Armee belagert wurde

 

Der Fall von Jerusalem

 

'Amr Ibn AI-'As belagerte Jerusalem. Nach der Einnahme von Antiochia stießen Abu 'Ubaida, Halid und andere Führer des islamischen Heeres zu ihm. Die Christen in Jerusalem hatten wenig Hoffnung auf Hilfe von Byzanz; deshalb entschieden sie sich für die kampflose Übergabe.

Jedoch hegten die Christen einige Befürchtungen. Sie wußten, daß sich vorher auch andere Städte kampflos ergeben hatten, und in jedem Fall hatten die Sieger das Leben und das Eigentum der Besiegten geachtet. Sie hatten ihre heiligen Stätten geschont und ihnen erlaubt, ihre eigene Religion auszuüben. Aber weil es sich um Jerusalem handelte, waren sich die Christen da nicht ganz sicher. Die Stadt war sowohl für sie als auch für die Muslime ein heiliger Ort. Vor der Übergabe wollten sie sicher gehen, daß sie gut behandelt würden. Sie machten deshalb Abu 'Ubaida folgenden Vorschlag:

"Wir sind bereit zur Übergabe, aber euer Kalif muß persönlich zur Unterzeichnung des Friedensvertrages hier erscheinen."

Die Führer des islamischen Heeres kamen zur Beratung zusammen und berieten über diesen Vorschlag; schließlich stimmten sie ihm zu; denn sie sagten sich: "Warum sollen wir Blut vergießen für eine Sache, die auch so geregelt werden kann?"

Der Vorschlag der Christen wurde dem Kalifen überbracht: Jerusalem könne genommen werden, ohne einen Tropfen Blut zu vergießen, aber dazu müsse 'Umar den weiten Weg von AI-Madina nach Jerusalem zurücklegen. Darauf ging 'Umar (r) bereitwillig ein.

 
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