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Alyy
Der Urteilsspruch
Die beiden Richter dachten ganze sechs Monate über die Angelegenheit nach. Dann trafen sie sich in der Grenzstadt Daumatu-1-Gandal. Jeder hatte 400 Mann bei sich. Auf Verlangen Mu'awiyas nahmen auch unparteiische Männer hohen Ranges an dem Treffen teil. Unter ihnen waren 'Abdullah Ibn 'Umar, Sa'd Ibn Abi Waqqas, 'Abdullah Ibn Az-Zubair und andere.
Abu Musa sagte:
"O ' Arnr, wir haben genug vom Bürgerkrieg. Laß uns etwas tun, seine Wunden zu heilen."
'Amr antwortete:
"Ich stimme völlig mit dir überein. Es ist besser, wenn wir genau festlegen, worin wir übereinstimmen. Laß deshalb einen Schreiber diese Punkte niederschreiben."
Der Schreiber kam und begann, die Punkte festzuhalten, in denen beide übereinstimmten. Das war zuerst der Glaube an die Sendung des Propheten, Allahs Segen und Friede auf ihm, und die Echtheit seiner Botschaft. Dann folgte die Feststellung, daß Abu Bakr (r) und 'Umar (r) rechtmäßige und gerechte Kalifen gewesen waren. Dann kam 'Amr auf 'Utrnan (r) zu sprechen und sagte:
"'Utman wurde mit allgemeiner Zustimmung der Muslime gewählt, und er war ein aufrichtiger Muslim."
Abu Musa: "Dieser Punkt steht im Augenblick nicht zur Diskussion."
'Amr: "Aber wenn du ihn nicht als Rechtgläubigen bezeichnest, war er dann ein Ungläubiger?"
Abu Musa: "Also gut, dann soll der Schreiber das auch niederschreiben."
'Amr: "Dann gibt es nur zwei Möglichkeiten: Entweder wurde er zu Recht oder zu Unrecht erschlagen."
Abu Musa: "Ja, er wurde zu Unrecht erschlagen."
'Amr: "Wenn jemand zu Unrecht getötet wurde, gibt Allah seinen Erben das Recht, ihn zu rächen." Abu Musa: "Ja, Er gibt ihnen das Recht."
'Amr: "Du weißt, daß Mu'awiya der nächste Blutsverwandte 'Utmans ist."
Abu Musa: "Ja, auch das ist wahr."
'Amr: "Dann hat Mu'awiya das Recht, Hand an die Mörder 'Utmans zu legen, wer es auch immer sei, und wo er sie auch immer finden mag."
Abu Musa: "Das ist ebenfalls richtig. Aber, 'Amr, dieser Streit hat sich als eine Plage für das Volk erwiesen. Laß uns das Volk davon befreien und einen Weg finden, es wieder glücklich zu machen."
'Amr: "Kannst du einen Vorschlag machen?"
Abu Musa: "Ja. Ich bin sicher, daß die Syrer 'Alyy niemals lieben werden und daß das Volk des Irak Mu'awiya niemals anerkennen wird. Wir sollten also diese beiden Namen fallen lassen und 'Abdullah Ibn 'Urnar zum Kalifen machen."
'Amr: "Wird er Kalif werden wollen?"
Abu Musa: "Ich hoffe es, vorausgesetzt, daß wir alle zu ihm hingehen und ihn darum bitten."
'Amr. "Aber warum nicht Sa'd Ihn Abi Waqqas?" Abu Musa war mit Sa'ds Namen nicht einverstanden. 'Amr schlug noch einige andere Namen vor, aber Abu Mus a stimmte keinem zu. Beide Richter konnten sich nicht darüber einig werden, wer Kalif werden sollte.
"Welche andere Lösung hältst du dann für möglich?" fragte ´Amr.
Abu Musa antwortete:
"Nach meiner Meinung kommen weder ´ Alyy noch Mu'awiya in Frage. Wir sollten dem Volk erlauben, selbst einen Kalifen zu wählen."
"Ich bin damit vollkommen einverstanden", sagte 'Amr. Nun konnte der Schiedsspruch bekanntgegeben werden.
'Amr forderte Abu Musa auf, zuerst zu sprechen. Dieser stand auf und sagte:
"Wir sind übereingekommen, weder 'Alyy noch Mu'awiya als Kalifen anzuerkennen. Ihr solltet einen anderen wählen, der euch geeignet erscheint."
Dann stand ´Amr auf und sprach:
"Ich halte 'Alyy nicht für geeignet, Kalif zu sein. Nach meiner Meinung ist Mu'awiya der richtige Mann für dieses Amt."
Diese Worte verursachten einen großen Aufruhr. Der Schiedsspruch erwies sich als üble Täuschung, und die Hoffnung auf Frieden und Ordnung war wieder geschwunden. Alle ehrbaren Leute verließen den Platz voller Abscheu.
Die AI-Hawarig
Die Gegner des Abkommens von Siffin wurden als die "Hawarig" bekannt. 'Alyy (r) hatte sie beruhigt, aber nach dem Schiedsspruch erregten sie von neuem Unruhe. Sie sagten:
"Wir haben 'Alyy gebeten, die Vereinbarung als ungültig zu betrachten, aber er hörte nicht auf uns. Nun erklärt er, daß der Schiedsspruch gegen das Buch Allahs ist, und gibt damit zu, was wir von Anfang an gesagt haben. Nun sollte er seine Schuld bekennen und sie bereuen. Wenn er das tut, sind wir auf seiner Seite, wenn nicht, werden wir gegen ihn kämpfen." Das Zentrum der Hawarig wurde in Nahrawan errichtet. Sie predigten ihre religiöse Auffassung und gewannen ziemlich an Einfluß. Ungläubige ließen sie in Frieden, aber sie waren sehr hart gegen Muslime, die anderer Meinung waren als sie. Solche Muslime waren in ihren Augen Widersacher des rechten Glaubens und wurden von ihnen mit dem Schwert bekämpft.
In gewissem Sinne waren die Hawarig strenge Puritaner. Sie sprachen lange Gebete, kleideten sich einfach und waren äußerst rechtschaffen in ihrem Verhalten. Aber Treue zu einem Kalifen war in ihren Augen ein Verbrechen, und sie betrachteten dies als "Personenkult". Kaltblütig töteten sie Männer und Frauen, die sagten, daß sie Anhänger des Kalifen seien. 'Alyy (r) mußte noch mit Mu'awiya abrechnen. Aber die Gefahr, die von den Hawarig ausging, war viel ernster, und sie erforderte höchste Aufmerksamkeit. Der Kalif konnte nicht nach Syrien ziehen, ohne zuvor diese Gefahr beseitigt zu haben. So führte er also ein Heer nach Nahrawan. Zuerst sandte er jedoch zwei ausgewählte Sahaba zu den Führern der Hawarig, um sie zu überreden, Vernunft anzunehmen. Aber sie wollten nicht hören. Dann schickte 'Alyy (r) einen Boten, der sagte:
"Übergebt uns die Männer unter euch, die Muslime erschlagen haben. Wir werden sie töten und die übrigen in Frieden lassen."
Darauf antworteten sie:
"Wir alle haben das Blut deiner Anhänger vergossen, und wir werden es auch weiter tun."
'Alyy (r) sah, daß der Kampf unvermeidlich war. Er erklärte den Hawarig, daß jedem von ihnen, der nach Al-Kufa oder Al-Mada'in käme oder ihre Armee verlassen würde, Sicherheit für sein Leben garantiert würde. Auf dieses Angebot gingen viele ein, so daß noch 3000 Hawarig zurückblieben. Die Schlacht begann, und die Hawarig kämpften verzweifelt. 'Alyy (r) selbst erschlug die meisten ihrer Führer, und ihr Heer wurde völlig vernichtet. 'Alyy (r) schickte ihre Verwundeten zu ihren Verwandten. Mit dieser Niederlage war jedoch der Widerstand der Hawarig noch nicht gebrochen. Sie verteilten sich über das Reich und predigten den Ungehorsam gegen die Gesetze des Staates. Einer ihrer Führer, Hara'it, forderte zur Anarchie auf. "Alle Gewalt gehört Allah", leitete er vom Qur'an ab, "daher brauchen wir keine Regierung."
'Alyy (r) setzte Truppen gegen Hara'it und andere Hawarig ein,-und Hara'it wurde getötet, aber die Hawarig sorgten weiter für Unruhe.
Die AI-Hawarig
Die Gegner des Abkommens von Siffin wurden als die "Hawarig" bekannt. 'Alyy (r) hatte sie beruhigt, aber nach dem Schiedsspruch erregten sie von neuem Unruhe. Sie sagten:
"Wir haben 'Alyy gebeten, die Vereinbarung als ungültig zu betrachten, aber er hörte nicht auf uns. Nun erklärt er, daß der Schiedsspruch gegen das Buch Allahs ist, und gibt damit zu, was wir von Anfang an gesagt haben. Nun sollte er seine Schuld bekennen und sie bereuen. Wenn er das tut, sind wir auf seiner Seite, wenn nicht, werden wir gegen ihn kämpfen." Das Zentrum der Hawarig wurde in Nahrawan errichtet. Sie predigten ihre religiöse Auffassung und gewannen ziemlich an Einfluß. Ungläubige ließen sie in Frieden, aber sie waren sehr hart gegen Muslime, die anderer Meinung waren als sie. Solche Muslime waren in ihren Augen Widersacher des rechten Glaubens und wurden von ihnen mit dem Schwert bekämpft.
In gewissem Sinne waren die Hawarig strenge Puritaner. Sie sprachen lange Gebete, kleideten sich einfach und waren äußerst rechtschaffen in ihrem Verhalten. Aber Treue zu einem Kalifen war in ihren Augen ein Verbrechen, und sie betrachteten dies als "Personenkult". Kaltblütig töteten sie Männer und Frauen, die sagten, daß sie Anhänger des Kalifen seien. 'Alyy (r) mußte noch mit Mu'awiya abrechnen. Aber die Gefahr, die von den Hawarig ausging, war viel ernster, und sie erforderte höchste Aufmerksamkeit. Der Kalif konnte nicht nach Syrien ziehen, ohne zuvor diese Gefahr beseitigt zu haben. So führte er also ein Heer nach Nahrawan. Zuerst sandte er jedoch zwei ausgewählte Sahaba zu den Führern der Hawarig, um sie zu überreden, Vernunft anzunehmen. Aber sie wollten nicht hören. Dann schickte 'Alyy (r) einen Boten, der sagte:
"Übergebt uns die Männer unter euch, die Muslime erschlagen haben. Wir werden sie töten und die übrigen in Frieden lassen."
Darauf antworteten sie:
"Wir alle haben das Blut deiner Anhänger vergossen, und wir werden es auch weiter tun."
'Alyy (r) sah, daß der Kampf unvermeidlich war. Er erklärte den Hawarig, daß jedem von ihnen, der nach Al-Kufa oder Al-Mada'in käme oder ihre Armee verlassen würde, Sicherheit für sein Leben garantiert würde. Auf dieses Angebot gingen viele ein, so daß noch 3000 Hawarig zurückblieben. Die Schlacht begann, und die Hawarig kämpften verzweifelt. 'Alyy (r) selbst erschlug die meisten ihrer Führer, und ihr Heer wurde völlig vernichtet. 'Alyy (r) schickte ihre Verwundeten zu ihren Verwandten. Mit dieser Niederlage war jedoch der Widerstand der Hawarig noch nicht gebrochen. Sie verteilten sich über das Reich und predigten den Ungehorsam gegen die Gesetze des Staates. Einer ihrer Führer, Hara'it, forderte zur Anarchie auf. "Alle Gewalt gehört Allah", leitete er vom Qur'an ab, "daher brauchen wir keine Regierung."
'Alyy (r) setzte Truppen gegen Hara'it und andere Hawarig ein,-und Hara'it wurde getötet, aber die Hawarig sorgten weiter für Unruhe.
'Alyy's Macht nimmt ab
Nach der Niederlage der Hawarig in Nahrawan wollte 'Alyy (r) nach Syrien ziehen. Aber seine Krieger verspürten keine Lust dazu.
"Wir sind erschöpft von den ständigen Kämpfen", erklärten sie, "gib uns etwas Zeit zum Ausruhen." Das Feldlager des Kalifen befand sich in An-Nah3la, einige Meilen von der Hauptstadt entfernt. Von hier aus zog es die Männer nach Al-Kufa, und schließlich mußte 'Alyy sich auch dorthin begeben. Nach einiger Zeit bat er die Männer, sich für den Feldzug nach Syrien bereit zu machen. Aber die führenden Männer Al-Kufas zeigten keine Neigung dazu, und seine beredeten Appelle trafen auf taube Ohren. Je mehr Zeit verging, desto klarer wurde es 'Alyy, daß er niemals in der Lage sein würde, eine zweite Armee gegen Mu'awiya zu führen.
Verlust Ägyptens
Qais Ibn Sa'd war 'Alyy's erster Gouverneur in Ägypten. Er war der Sohn Sa'd Ibn 'Ubadas, des berühmten Führers der Al-Ansar. Qais war ein sehr fähiger Mann, und ihm gelang es, das Volk für 'Alyy (r) zu gewinnen. Nur die Stadt Harbata war nicht bereit, den neuen Kalifen anzuerkennen. Qais unternahm nichts gegen diese Stadt unter der Bedingung, daß sie den Frieden bewahre. Da einige von 'Alyy's Freunden an dem Gouverneursposten von Ägypten interessiert waren, erweckten sie Zweifel an der Treue von Qais und sagten: "Warum zwingt er nicht die Stadt Harbata, den neuen Kalifen anzuerkennen?"
In einem Brief bat 'Alyy (r) daher Qais, Maßnahmen gegen Harbata zu ergreifen. Der Gouverneur erwiderte, daß dies nach seiner Meinung kein kluger Schritt sei. Die Leute um 'Alyy sahen in diesem Antwortbrief jedoch den Beweis dafür, daß Qais mit Mu'awiya sympathisiere, und dieser nutzte diese Situation sofort zu seinem Vorteil aus. Er wußte, wie fähig Qais war; wenn dieser in Ägypten bliebe, würde sich seine eigene Lage verschlechtern; denn die Armeen von Irak und von Ägypten zusammen könnten ihn leicht vernichten. Darum beschloß Mu'awiya, Qais aus Ägypten zu verdrängen; er streute daher das Gerücht aus, daß Qais einer seiner Männer sei, und sorgte dafür, daß 'Alyy (r) diese Geschichte zu Ohren kam. Die Falle war klug gestellt, und 'Alyy (r) fiel hinein: Er entließ Qais.
Muhammad Ibn Abi Bakr war der nächste Gouverneur Ägyptens. Er war ein unerfahrener junger Mann. Als erstes unternahm er eine Strafaktion gegen Harbata. Inzwischen fand die Schlacht von Siffin statt, aber der Gouverneur Ägyptens war daheim so beschäftigt, daß er 'Alyy nicht die geringste Hilfe leisten konnte - Mu'awiyas Verleumdung hatte vollen Erfolg gehabt. Nun erkannte 'Alyy seinen Fehler; er fühlte, daß Ägypten in fähigere Hände gehört hätte. Daher ersetzte er nach der Rückkehr von Siffin Muhammad Ibn Abi Bakr durch Malik Al-Astar. Mälik war ein starker Mann, und seine Treue zu 'Alyy war erprobt. Durch ihn entstand nun wieder Gefahr für Mu'awiya. Wie könnte er mit einem Mann wie Malik fertig werden? Zweifel an dessen Treue zu 'Alyy konnte er diesmal nicht säen. Daher griff er zu einer Geheimwaffe - Gift: Malik starb auf dem Weg nach Ägypten durch Gift.
Sein Tod zwang 'Alyy (r), Muhammad Ibn Ab! Bakr in seinem Amt zu belassen. Er versicherte ihm, daß seine Ablösung nicht auf Mißfallen zurückzuführen war, und daß es nur eine Maßnahme zur Verbesserung der Lage gewesen sei, womit sich Muhammad zufrieden gab. Nach dem Schiedsspruch im Anschluß an die Schlacht von Siffin erhob Mu'awiya offen Anspruch auf das Kalifat. Sein erstes Ziel war Ägypten. Hier war die Lage so schlecht, wie er sie sich nur wünschen konnte. Er schrieb der Stadt Harbata, sie solle sich zu einem Aufstand bereithalten, und schickte ihr seine eigene Armee unter 'Amr Ibn Al-'As zur Unterstützung. Muhammad Ibn Abi Bakr bat 'Alyy schriftlich um sofortige Hilfe. Aber die einzige Unterstützung, die er erhielt, war ein Aufruf des Kalifen, so tapfer wie möglich zu kämpfen. Inzwischen war 'Amr, der Ägypten für das Islamische Reich erobert hatte und lange Zeit dort Gouverneur gewesen war, mit einer Armee von 6000 Mann in das Land eingefallen. Gleich bei seiner Ankunft stießen 10.000 Krieger von Harbata zu seiner Armee.
Muhammad Ibn Abi Bakr konnte nur 2000 Mann aufbringen, um 'Amr aufzuhalten, und sie wurden mit Leichtigkeit besiegt. In der Zwischenzeit hatte er weitere 2.000 Mann aufgeboten, die er selbst anführte. Schon auf dem Anmarsch erreichte ihn jedoch die Nachricht von der Niederlage der ersten Armee. Daraufhin ergriff sein ganzes Heer die Flucht, und er selbst wurde als hilfloser Flüchtling gefangen. Sein Bruder 'Abdurrahman Ibn Abi Bakr, der auf Mu'awiyas Seite stand, forderte, daß das Leben seines Bruders geschont werden solle.
"Nein", antwortete Mu'awiya, "er ist einer der Mörder 'Utmans! Er muß dies mit seinem Leben bezahlen." Daraufhin wurde Muhammad Ibn Abi Bakr gnadenlos hingerichtet. Mu'awiya wurde im Jahre 38 n.H. Herrscher Ägyptens. 'Alyy (r) verlor damit die wichtigste islamische Provinz.
Unruhen im Lande
Mu'awiya ging mit taktischem und diplomatischem Geschick daran, 'Alyy (r) den Boden unter den Füßen wegzuziehen. Seine Agenten reisten umher und hetzten das Volk gegen den Kalifen auf. Einer dieser Aufwiegler, Ibn Al-Hadramyy, kam nach AI-Basra. Der Gouverneur, Ibn 'Abbas, befand sich gerade zu einem Besuch in Al-Kufa, und Ibn Al-Hadramyy sah darin eine günstige Gelegenheit, um das Volk zur Rache für den Tod 'Utmans aufzuwiegeln. Es gelang ihm, viele Anhänger zu gewinnen, und unter großen Schwierigkeiten floh der Stellvertreter des Gouverneurs aus der Stadt. 'Alyy (r) ließ den Aufstand jedoch niederwerfen, und Ibn Al-Hadramyy und 70 seiner Leute schlossen sich daraufhin in einem Haus ein. Als das Haus angezündet wurde, verbrannten alle. Diese grausame Tat eines Gouverneurs des Kalifen vergrößerte die Unruhe, und es kamen bald noch weitere Schwierigkeiten hinzu: Persien und Kirman verweigerten die Tributzahlung, und auch diese Aufstände mußten blutig niedergeschlagen werden.
Um das Jahr 39 n.H. war Mu'awiya in der Lage, 'Alyy's Feldlager anzugreifen, und er schickte starke Abteilungen zu Überfällen auf das Gebiet des Kalifen. Eine dieser Gruppen drang nach Osten bis in die Gegend von Al-Basra vor. Aus verschiedenen Richtungen kamen dringende Hilferufe, und mit feurigen Worten versuchte der Kalif, seine Anhänger aufzurütteln, aber sie ließen sich nicht zur Unterstützung bewegen. Mu'awiyas Überfälle verängstigten das Volk. Die Unruhe war weit verbreitet, und von Tag zu Tag wurde der Kalif hilfloser und konnte nicht das tun, was er durchzuführen gedachte.
In diesem Jahr sandte der Kalif wie üblich einen Abgesandten zum Hagg nach Makka, der stellvertretend für ihn den Hagg leiten sollte. Mu'awiya, der das Kalifat beanspruchte, schickte ebenfalls einen Mann zu diesem Zweck dorthin, und jeder von ihnen behauptete, ein Abgesandter des rechtmäßigen Kalifen zu sein. Schließlich leitete eine dritter Mann, Saiba, der Enkel von Talha, den Hagg. So verlor 'Alyy (r) auch dieses Symbol des Kalifats.
Verlust des Al-Higaz und des Yemen
'Alyy's Schwierigkeiten machten Mu'awiya übermütig. Im Jahre 40 n.H. sandte er den rücksichtslosen Basr mit 3000 Mann in den Al-Higaz. 'Alyy's Abgesandter aus Al-Madina, Abu Ayyub, konnte den Eindringling nicht aufhalten, und er floh nach Al-Kufa. Basr besetzte Al-Madina und zwang das Volk, Mu'awiya den Treueschwur zu leisten. Er stellte sich in die Moschee des Propheten, Allahs Segen und Friede auf ihm, und rief:
"Wo ist 'Utman heute? Er war hier bis gestern, wo ist er jetzt? Wenn Mu'awiya es mir nicht unter Eid verboten hätte, würde ich nicht einen einzigen erwachsenen Bewohner der Stadt am Leben lassen!" Von AI-Madina zog Basr nach Makka. Auch hier fand er keinen Widerstand; er nahm die Stadt ein und nahm den Treueid für Mu'awiya entgegen. Sein nächstes Ziel war der Yemen, wo 'Ubaidullah Ibn 'Abbas Gouverneur war. Dieser floh nach Al-Kufa, als er von Basrs Vormarsch erfuhr. Basr drang in die Hauptstadt des Yemen ein und erschlug Hunderte von 'Alyy's Anhängern; er verschonte nicht einmal die beiden kleinen Söhne von Ibn 'Abbas (r).
Eine andere Armee Mu'awiyas unter Sufyan Ibn 'Auf überrannte den Südirak. Städte wie Al-Mada'in und Al-Anbar wurden geplündert. Von allen Teilen des Reiches kamen alarmierende Nachrichten: Das Kalifat war von allen Seiten bedroht.´ Alyy (r) stand vor einer schweren Aufgabe. Er sandte Garya mit 2000 Mann zum Kampf gegen die Eindringlinge. Als diese Streitmacht in den Yemen kam, zog sich Basr eilends nach Syrien zurück. Garya setzte seinen Vormarsch nach Makka fort. Bald nachdem er die heilige Stadt betreten hatte, erreichte ihn die Nachricht vom Tode 'Alyy's, und dies beendete Garyas Feldzug.
Alyy's Tod
Die Hawarig waren ebenso gegen 'Alyy wie gegen Mu'awiya, und den Bürgerkrieg, der ihnen endlos erschien, fanden sie abscheulich. Nach ihrer Niederlage in Nahrawan trafen sich einige von ihnen in Makka, um über die Lage nachzudenken. Die Aussichten waren düster - darüber waren sie sich alle einig, und sie beschlossen, etwas dagegen zu unternehmen.
"Mu'awiya, 'Amr Ibn Al-'As und 'Alyy sind die Hauptfiguren in diesem Drama", erklärten sie. "Wenn man diese drei Männer beseitigt, wird die Welt des Islam all ihre Unruhen los."
Drei der Hawarig erklärten sich bereit, dies zu übernehmen; 'Abdurrahman Ibn Mulgam sollte 'Alyy (r) erschlagen, Bark Ibn 'Abdullah sollte Mu'awiya töten, und 'Amr Ibn Bark sollte 'Amr Ibn Al-As umbringen. Der 17. Ramadan des Jahres 40 n.H. wurde für die Tat festgesetzt, und zwar sollten die drei Männer getötet werden, wenn sie zum Morgengebet in die Moschee kämen. Ibn Mulgam kam nach Al-Kufa und wohnte dort bei einer Hawarig-Familie. Er verliebte sich in ein schönes Mädchen der Familie und sprach zu ihr von Heirat.
"Dafür mußt du mir aber einen Brautpreis zahlen", sagte das Mädchen.
"Und wie hoch soll dieser sein?" fragte Ibn Mulgam.
"Unter anderem", antwortete das Mädchen, "will ich 'Alyy's Kopf!"
"Ausgezeichnet!" rief Ibn Mulgam. "Ich bin nur zu diesem Zweck hier."
Mit Hilfe des Mädchens und seiner Familie traf er seine Vorbereitungen. Am 17. Ramadan führten die drei Hawarig ihre mörderischen Anschläge auf ihre Opfer aus. Mu'awiya entkam mit einer leichten Verwundung; der Attentäter wurde gefaßt und getötet. 'Amr Ibn Al-'As war an diesem Tage krank, und ein anderer, der an seiner Stelle das Morgengebet leitete, wurde erschlagen. Auch dieser Mörder wurde ergriffen und hingerichtet. Ibn Mulgam hatte sich mit zwei anderen Hawarig während der ganzen Nacht in der Hauptmoschee von Al-Kufa versteckt. Wie üblich kam 'Alyy (r) am Freitagmorgen zur Moschee. Er ging um die Moschee, um den Leuten zu sagen, daß sie sich zum Gebet fertig machen sollten. Da sprang plötzlich einer von Ibn Mulgams Mitverschwörern auf ihn zu, schlug mit dem Schwert auf ihn ein und verwundete ihn am Kopf. 'Alyy (r) stürzte zu Boden, und jetzt fiel Ibn Mulgam über ihn her und hieb ihm mit dem Schwert auf den Kopf - Blut strömte hervor, und 'Alyy's Bart färbte sich dunkelrot. "Haltet meinen Mörder!" schrie der Kalif den Umstehenden zu, die vor Entsetzen wie gelähmt waren, und Ibn Mulgam und seine Helfer wurden überwältigt. Schwer verwundet wurde 'Alyy (r) nach Hause getragen. Dann ließ er seinen Mörder zu sich bringen und sagte: "Tötet ihn, wenn ich sterbe, aber wenn ich am Leben bleibe, will ich selbst mit ihm abrechnen, sobald ich dazu in der Lage bin." Im Laufe des Tages wurde dem Kalifen jedoch klar, daß keine Hoffnung mehr für ihn bestand. Er ließ seine Söhne rufen und gab ihnen den Rat, gut zu sein und dem Islam zu dienen. "Sollen wir nach dir Al-Hasan die Treue geloben?" fragte irgendeiner.
'Alyy (r) antwortete:
"Ich sage euch nicht, daß ihr es tun sollt, noch verbiete ich es euch. Tut, was ihr für richtig haltet."
Der sterbende Kalif ließ seine geliebten Söhne Al-Hasan (r) und Al-Husain (r) an sein Bett herantreten und sagte: "Dies ist mein Vermächtnis: Fürchtet Allah und strebt nicht nach weltlichen Dingen. Sehnt euch nicht nach Unerreichbarem. Seid immer wahrhaftig, barmherzig und hilfreich. Helft den Unterdrückten und haltet die Hand des Gewalttäters zurück. Folgt den Geboten des Qur'an, ohne euch darum zu kümmern, was andere sagen."
Am gleichen Abend verschied 'Alyy, möge Allah an ihm Wohlgefallen haben, der vierte rechtgeleitete Kalif des Islam. Er war 63 Jahre alt geworden. In den letzten Augenblicken wiederholte er ständig folgende Verse des Qur'an aus Sura 99, Vers 7 und 8:
"Wer also Gutes im Gewicht eines Stäubchens tut, wird es sehen, und wer Schlechtes im Gewicht eines Stäubchens tut, wird es sehen."
Die fünf Jahre von 'Alyy's Kalifat
'Alyy (r) war vier Jahre und neun Monate lang Kalif. Diese ganze Zeit war durch große Unruhen gekennzeichnet. Zu Lebzeiten des Propheten, Allahs Segen und Friede auf ihm, hatte 'Alyy's Schwert den Islam stark gemacht, aber während seines eigenen Kalifats mußten durch das gleiche Schwert Muslime sterben. Nichts war 'Alyy (r) mehr zuwider als dies. Er verabscheute von ganzem Herzen, was er tun mußte. Dadurch wurde er zu einem anderen Menschen, als er von Natur aus war und sein wollte.
Ein großes Unglück für 'Alyy (r) waren die Männer, die sich in seine Umgebung gedrängt hatten. Es waren diejenigen, die sich aktiv gegen 'Utman (r) betätigt hatten. Sie hatten sich durch Gesetzlosigkeit des betagten Kalifen entledigt, und niemals wieder konnten sie ganz gesetzestreu werden. Nach der Ermordung 'Utmans hatten sie den Kalifen, den sie wollten, und nun sollte er sich ihren Launen fügen. Sie verlangten von ihm, daß er ihre Befehle ausführe, und 'Alyy (r) mußte sich in diese Notlage fügen. Vielleicht wäre dadurch nicht so viel Leid entstanden, aber zu seinem Unglück sprachen sie nicht mit einer Stimme, sondern zogen ihn in die verschiedensten Richtungen. Das führte zu Untätigkeit, Unruhe und schließlich zu raschem Niedergang.
'Alyy's Widersacher Mu'awiya war ein ungewöhnlich fähiger Mann, dazu kam sein großer Ehrgeiz. Er ging sein Ziel mit erstaunlich taktischem und diplomatischem Geschick an, und mit diesen ausgeklügelten Waffen konnte er 'Alyy leicht besiegen.
'Alyy (r) ist ohne Zweifel einer der größten Söhne des Islam; sehr wenige Sahaba gleichen ihm in seiner engen Verbundenheit mit dem Propheten, Allahs Segen und Friede auf ihm, und diese Nähe gab ihm wunderbare Eigenschaften des Geistes und des Herzens. Mit diesen verband er eine unerreichte Größe an Mut und Kraft. Wenn man dies in die Waagschale wirft, läßt sich Mu'awiya nicht mit ihm vergleichen.
'Alyy (r) beherrschte die arabische Sprache auf wunderbare Weise in Wort und Schrift. Auf dem Schlachtfeld war er der Schrecken des Feindes. Er hatte ein tiefes Begriffsverständnis für den Qur'an. In schwierigen Fällen wandten sich Abu Bakr und 'Urnar oft an ihn um Rat.
Es ist eine Ironie des Schicksals, daß ein Mann mit solch hervorragenden Eigenschaften keinen Erfolg als Herrscher über Menschen hatte. Denn sein Leben war in einen tragischen Moment der Geschichte verstrickt. Er mußte einer Politik zustimmen, von der er wußte, daß sie selbstzerstörerisch war. 'Alyy (r) hätte sicher mehr Erfolg gehabt, wenn er in einer weniger verwirrten Zeit zur Macht gekommen wäre.
Mit 'Alyy's Tod wurde das ruhmreichste Kapitel in der Geschichte des Islam beendet. Er war der letzte der "Rechtgeleiteten" Kalifen. Die große islamische Tradition, politische Macht mit selbst auferlegter Bedürfnislosigkeit und selbstlosem Dienen zu vereinen, verschwand mit ihm. 'Alyy (r) war der letzte Kalif, der sein Amt tatsächlich so ausübte, wie es dem islamischen Geist der Gleichheit entspricht.
Schlusswort
'Abdullah Ibn 'Abbas (r) wurde über die Rechtgeleiteten Kalifen befragt. Daraufhin charakterisierte er Abu Bakr (r) so:
"Allah begnadete Abu Bakr. Bei Allah, er befolgte den Qur'an, hielt sich von Abweichungen fern, beging keine Schandtaten, untersagte verwerfliche Handlungen, kannte seine Religion, fürchtete Allah, stand nachts auf um zu beten, fastete tagsüber, war in seinem irdischen Leben makellos, war entschlossen zu Gerechtigkeit gegenüber den Menschen, befahl das Gute und führte zu ihm hin, war dankbar in allen Lebenslagen, gedachte Allahs beim Kommen und Gehen, zwang sich selbst zum besten Verhalten und übertraf seine Sahaba an Gottesfurcht, Genügsamkeit, Enthaltsamkeit, Redlichkeit, Güte, Fürsorge, Mäßigkeit und Tüchtigkeit.
" Und über 'Umar Ibn Al-Hattab (r) sagte er:
"Allah begnadete Abu Hafs (Beiname 'Umars); bei Allah, er war dem Islam verschworen, ein Zufluchtsort für die Waisen, eine Stätte des Glaubens, ein Beschützer der Schwachen, eine Feste der Rechtgläubigen, für die Schöpfung eine Festung und ein Beistand für die Menschen. Er setzte sich ein für die Sache Allahs mit Geduld und Aufopferung, bis Allah dem Islam den Sieg verlieh und er die Länder eroberte. Er gedachte Allahs überall - daheim und in der Fremde, auf den Bergen und in Stadt und Land -, und er war fürwahr würdevoll. Er war sowohl in Not als auch in sorgenfreier Lage sehr dankbar und gedachte Allahs jederzeit." ,
Und von 'Utman Ibn 'Affan (r) berichtete er:
"Allah begnadete Abu 'Amr (Beiname 'Utmans); er war, bei Allah, von edelster Abstammung, Vereiniger der Rechtschaffenen, der Standhafteste in Kriegszügen. Er verbrachte die Nacht betend bis zur Morgendämmerung, wobei er bei der Anrufung Allahs reiche Tränen vergoß; er war ständig am Nachdenken über das, was ihn bei Tag und Nacht ernstlich beschäftigte, er packte jede edle Handlung tatkräftig an, er strebte nach jeglichem Guten, indem er jedem Verbrechen entfloh. Er rüstete das Heer auf und finanzierte Wasserquellen, und er war der Schwiegersohn des Gesandten Allahs, da er zwei von dessen Töchtern geheiratet hatte."
Und über 'Alyy (r) sagte er:
"Allah begnadete Abu Al-Hasan (Beiname 'Alyy's); er war, bei Allah, ein Wegweiser für die wahre Religion, eine Höhle der Gottesfurcht, eine Stätte der Klugheit, ein Berg des Glanzes, das Licht einer angesehenen Persönlichkeit in der Finsternis des Unrechts, einladend zum großartigsten Weg, vertraut mit dem, was im Qur'an steht; dessen Auslegung lag ihm sehr am Herzen, und er widmete sich ihr voller Andacht. Er hielt fest an den Motiven der richtigen Führung, unterließ Unterdrückung und ungerechtes Handeln, wandte sich ab von den Pfaden des Verderbens; er bevorzugte den Gläubigen und Gottesfürchtigen und machte zum Gebieter, wer ein Obergewand trug (d. h., wer sich züchtig kleidete). Er führte die Pilgerfahrt und den siebenmaligen Lauf zwischen As-Safa und Al-Marwa vorbildlich durch; er war der beste Prediger unter den Menschen nach den Propheten und dem auserwählten Propheten Muhammad, Allahs Segen und Friede auf ihm; er nahm an Gebeten in beide Gebetsrichtungen der Muslime teil (zuerst Jerusalem, dann Makka). Ist ihm also ein Bekenner der Einheit Allahs ebenbürtig? Und er war der Ehemann der besten aller Frauen (Fatima) und der Vater zweier bedeutender Söhne (Al-Hasan und Al-Husain). Meine Augen haben keinen anderen wie ihn gesehen und werden mir keinen anderen zeigen bis zum Jüngsten Tag."
Dies waren die Rechtgeleiteten Kalifen des Islam und die Elite unter den Sahaba des Propheten Muhammad, Allahs Segen und Friede auf ihm, möge Allah an ihnen Wohlgefallen haben. Sie werden für uns immer leuchtende Vorbilder sein.
Quelle: www.dienerallahs.de
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