Riyad-us-Salihin
KAPITEL3-1
Hadith 31: Anas (r) berichtet, dass es dem Propheten (s) einst passierte, dass er an einer Frau vorüberging, die über einem Grab weinte. Er sagte zu ihr: „Fürchte Allah und sei geduldig!“ Die Frau - nicht wissend wer er war - erwiderte: „Lass mich allein, denn du bist nicht betroffen wie ich.“ Als man ihr danach erzählte, dass er der Gesandte Allahs (s) war, ging sie zu dem Haus des Propheten, und sah, dass er keinen Türhüter hatte. Sie ging hinein und sagte zu ihm: „Ich habe dich nicht erkannt.“ Er (s) sagte: „Die wahre Geduld ist bei dem ersten Schlag (geduldig zu sein).“ (Al-Bukhari und Muslim)
- In der Version von Muslim heißt es, dass sie über ihren Jungen weinte.
Hadith 32: Abu Huraira (r) berichtet, dass Allahs Gesandter (s) gesagt hat: Allah, der Erhabene, spricht: „Es gibt keine andere Belohnung von Mir für meinen Gläubigen Diener, wenn ich seinen besten Freund von den Bewohnern dieser Welt zu Mir genommen habe und er dies mit Geduld trägt, als das Paradies.“ (Al-Bukhari)
Hadith 33: Aischa (r) berichtet, dass sie den Gesandten Allahs (s) nach der Pest befragte. Er (s) erzählte ihr, die Pest sei eine Qual, welche Allah, der Erhabene, als Strafe schickt, wem Er will. Aus dieser Qual wird Barmherzigkeit für die Gläubigen; denn jeder Diener Allahs, der durch die Pest gequält wird und an seinem Wohnsitz geduldig ausharrt, wohl wissend, dass ihm nur das geschehen wird, was Allah für ihn bestimmt hat, wird den gleichen Lohn erhalten wie ein Märtyrer.“ (Al-Bukhari)
Hadith 34: Anas (r) überliefert, er habe den Gesandten Allahs (s) sagen hören, dass Allah, der Erhabene, gesagt hat: „Wenn Ich einen Meiner Diener Plage, indem er seine (beiden) Teuersten* verliert, so gewähre Ich ihm das Paradies als Ersatz.“ (Al-Bukhari)
* Mit den „Teuersten“ sind die Augen gemeint.
Hadith 35: Es berichtet Ata’ibn Abi Rabah (r), dass Ibn Abbas (r) zu ihm sagte: „Möchtest du, dass ich dir eine Bewohnerin des Paradieses zeige?“ Ich sagte: „Gewiss!“ Er sagte zu mir: „Diese schwarze Frau! Sie kam zum Propheten (s) und sagte zu ihm: ‚Ich bin Epileptikerin und wenn ich einen Anfall habe, wird mein Körper bloßgelegt. Bitte bete zu Allah für mich.’ Er (s) sagte: ‚Wenn du es vorziehst, geduldig zu sein, wann immer du von deinem Leiden gequält wirst, wirst du ins Paradies gelangen. Wenn du jedoch wünschst, dass ich für dich bete, wird Allah dich heilen.’ Sie sagte: ‚Ich werde es mit Geduld ertragen, doch bete bitte, dass mein Körper sich nicht enthüllt, wenn ich einen Anfall habe.’ So betete er wie von ihr gewünscht.“ (Al-Bukhari und Muslim)
Hadith 36: Abu Abdur-Rahman Abdullah ibn Mas’ud (r) berichtet, dass er sich erinnere, als wenn er den Propheten (s) sehe, als er (s) die folgende Begebenheit aus dem Leben eines der Propheten erzählte: „Er wurde von seinem Volk geschlagen und so schwer verletzt, dass er heftig blutete, und er musste das Blut aus seinem Gesicht wischen, wobei er bat: ‚Oh Allah, vergib meinem Volk, denn sie wissen nicht, was sie tun.’“ (Al-Bukhari und Muslim)
Hadith 37: Abu Sa’id al-Khudri und Abu Huraira (r) überliefern, dass der Prophet (s) sagte: „Für eine jede Sorge, Krankheit, Leid, Bekümmernis, Verletzung oder Gram, die einen Muslim plagt, sogar für den Stich eines Dorns, nimmt Allah etwas von seinen Sünden fort.“ (Al-Bukhari und Muslim)
Hadith 38: Ibn Mas’ud (r) erzählte: Ich besuchte den Propheten (s) als er Fieber hatte. Ich sagte zu ihm: „Oh Gesandter Allahs! Du hast sehr hohes Fieber.“ Er sagte: „Ja wirklich, es ist so stark, wie wenn zwei Männer von euch Fieber hätten.“ Ich fragte: „Heißt das, dass du die doppelte Belohnung erhältst?“ Er sagte: „So ist es. Wenn ein Muslim auch nur durch einen Dorn verletzt wird, vergibt ihm Allah dafür eine seiner Sünden, und sie fallen von ihm ab, wie Laub von einem Baum.“ (Al-Bukhari und Muslim)
Hadith 39: Abu Huraira (r) berichtet, dass der Prophet (s) sagte: “Wenn Allah einen Menschen begünstigen will, macht Er dies, indem Er ihm eine Härte auferlegt.” (Al-Bukhari)
Hadith 40: Anas (r) berichtet, dass der Gesandte Allahs (s) sagte: “Niemand soll sich nach dem Tode sehnen weil ihn ein Unglück getroffen hat. Wenn jemand von euch so sehr des Lebens überdrüssig ist, sollte er sagen: „Oh Allah, erhalte mich am Leben, solange das Leben besser für mich ist, und nimm mich (zu Dir), wenn der Tod besser für mich ist.“* (Al-Bukhari und Muslim)
* Auf Arabisch lautet dieses Bittgebet: Allahumma ahyini ma kanatil-hayatu khairan li wa tawaffani idha kanatil-wafatu khairan li.
Hadith 41: Abu Abdullah Khattab ibn al-Aratt (r) sagte: Wir beklagten uns bei dem Gesandten Allahs (s), während er seinen Kopf im Schatten der Ka’ba auf sein Gewand gelegt hatte, indem wir sagten: „Betest du nicht um Hilfe für uns? Willst Du nicht die Hilfe Allahs für uns erbitten?“ Daraufhin sagte er: „Einst verfolgte man die Gläubigen, indem man sie in ein Loch eingrub und ihren Kopf in zwei Teile sägte, oder ihr Fleisch mit Eisenkämmen von den Knochen schabte, doch nichts von alledem konnte sie von ihrem Glauben abbringen. Bei Allah! Allah wird gewiss diese Botschaft vollenden, bis der Reiter, der von San’a bis Hadramaut gelangt, nichts außer Allah fürchtet, und dem Wolf für seine Schafe. Doch ihr drängelt zu sehr.“ (Al-Bukhari)
- In einer anderen Version heißt es, dass der Gesandte (s) mit dem Kopf auf einem Gewand lag, und wir von den Ungläubigen hart bedrängt wurden.
Hadith 42: Es erzählte Ibn Mas’ud (r): Am Tag von Hunain* begünstigte der Gesandte Allahs (s) einige Leute beim Verteilen der Kriegsbeute: So gab er al-Aqra’ ibn Habis und Uyaina ibn Hisn je hundert Kamele und bevorzugte auch einige arabische Honoratioren. Ein Mann sagte: „Bei Allah, das ist weder eine gerechte Verteilung, noch ist sie um Allahs willen.“ Ich sagte: „Bei Allah, ich werde den Gesandten Allahs (s) hiervon unterrichten.“ Als ich ihm dies erzählte, wurde sein Gesicht rot und er sagte: „Wer wird noch Gerechtigkeit ausüben, wenn Allah und Sein Gesandter es nicht tun?“ Dann fügte er hinzu: „Möge Allah Erbarmen mit Moses haben! Man hat ihm mehr Unrecht getan als dies (hier), jedoch blieb er geduldig.“ Als ich dies hörte, sagte ich zu mir selbst: ‚Gewiss werde ich nie wieder etwas Derartiges zu ihm weiterleiten!’ (Al-Bukhari und Muslim)
* Die Schlacht von Hunain fand im Jahre 630 n.chr. statt, also im Jahre 8 nach der Hidschra, und endete mit einem Sieg der Muslime über die Götzendiener.
Hadith 43: Anas (r) überliefert, dass der Gesandte Allahs (s) sagte: “Wenn Allah einen Seiner Diener begünstigen will, so lässt Er ihn im Diesseits leiden. Wenn Er ihn nicht begünstigen will, so bestraft Er ihn überhaupt nicht, bis zum Tag des Gerichts.“ Er (s) sagte auch: „Die Höhe der Belohnung entspricht dem Umfang des Leidens, und wenn Allah, der Erhabene, ein Volk liebt, so prüft Er es. Ist der Mensch damit zufrieden, so genießt er Allahs Wohlgefallen. Grollt er deswegen, so verdient er Seinen Groll.“ (At-Tirmidhi)
Dies ist ein guter Hadith (hasan).
Hadith 44: Anas (r) berichtet, dass Abu Talha (r) einen kranken Sohn hatte. Während Abu Talha einmal nicht zu Hause war, starb dieser Junge. Als Abu Talha zurückkam, fragte er seine Frau: „Wie geht es meinem Sohn?“ Die Mutter des Jungen, Umm Sulaim, sagte: „Er war noch nie so ruhig.“ Dann gab sie ihm zu essen. Nachdem er gegessen hatte, schlief er mit ihr. Danach sagte sie: „Nun begrabt den Jungen!“ Am Morgen ging Abu Talha zu Allahs Gesandtem (s) und berichtete ihm davon. Er (s) fragte ihn: „Habt ihr letzte Nacht zusammen geschlafen?“ Abu Talha antwortete: „Ja!“ Da bat der Prophet (s): „Oh Allah, segne die beiden!“, und seine Frau bekam einen Sohn. Da sagte Abu Talha zu mir: „Bring ihn zum Propheten, Anas.“, und er gab mir auch ein paar Datteln mit. Der Prophet (s) fragte mich: „Habt ihr etwas mitgebracht?“, und ich erwiderte: „Ja, ein paar Datteln.“ Da nahm er eine, zerkaute sie und rieb damit den Gaumen des Säuglings ein, und nannte ihn Abdullah.“ (Al-Bukhari und Muslim)
- Nach der Version von Al-Bukhari sagte Ibn Uyaina: Einer der Ansar berichtete: „Ich habe neun Söhne (von Abdullah) gesehen, die alle den Qur’an auswendig gelernt hatten.“
- In der Version von Muslim lautet dieser Hadith wie folgt: Als der Sohn von Abu Talha starb, sagte Umm Sulaim zu ihrer Familie: „Erzählt Abu Talha nichts von seinem Sohn, bevor ich mit ihm darüber geredet habe.“ Als er nach Hause kam, gab sie ihm zu essen, und er aß und trank. Dann zog sie sich so schön wie nie zuvor an, und er schlief mit ihr. Als sie sah, dass er satt und zufrieden war, sagte sie zu ihm: „Oh Abu Talha! Was denkst du: Wenn jemand einer Familie etwas ausleiht und es später zurückfordert, hat sie das Recht dies zu verweigern?“ Er antwortete: „Nein!“ Daraufhin sagte sie: „Dann hoffe Belohnung in Bezug auf deinen Sohn!“ Abu Talha war erbost und sagte: „Du hast mir nichts davon erzählt, bis ich mich verunreinigt hatte, und nun erzählst du mir von meinem Sohn.“ Dann ging er zu Allahs Gesandtem (s) und erzählte ihm was geschehen war. Er (s) sagte: „Möge Allah eure Nacht segnen!“, und sie wurde schwanger. Der Prophet (s) ging einst auf eine Reise, und sie begleiteten ihn. Der Prophet (s) hatte die Gewohnheit, Medina nicht des Nachts zu betreten (um seine Familie nicht zu stören). In der Nähe von Medina setzten allerdings ihre Wehen ein. So musste Abu Talha bei ihr bleiben, und der Prophet (s) zog weiter. Abu Talha betete: „Oh Allah! Du weißt, wie sehr ich es begehre, den Gesandten (s) zu begleiten, wenn er kommt oder geht. Und Du siehst, was mich nun festhält!“ Doch Umm Sulaim sagte: „Oh Abu Talha, ich habe keine Schmerzen mehr. Lass uns weitergehen!“ So gingen sie weiter und siehe, als sie in Medina ankamen, gebar sie einen Jungen. Anas (r) erzählte weiter: Meine Mutter sagte zu mir: „Oh Anas, lass niemanden ihn stillen, bis du ihn morgen zum Propheten (s) gebracht hast!“ Am nächsten Morgen brachte ich den Säugling zum Gesandten Allahs (s). Das Ende dieses Hadithes ist oben beschrieben.
Hadith 45: Abu Huraira (r) überliefert, dass der Gesandte Allahs (s) sagte: „Nicht derjenige ist stark, der den Gegner zu Boden schlägt, sondern derjenige, der sich nicht gehen lässt, wenn er gereizt wird.“ (Al-Bukhari und Muslim)
Hadith 46: Sulaiman ibn Surad (r) erzählte: Ich saß beim Propheten (s), als sich zwei Männer so beschimpften, dass das Gesicht des einen rot wurde und seine Halsadern anschwollen. Da sagte Allahs Gesandter (s): „Ich weiß einen Satz, der seinen Zorn bändigen kann, wenn er ihn sagen würde: A’udhu billahi min asch-schaitan-ir-radschim!*“ Die Anwesenden sagten: „Der Prophet (s) hat gesagt, du solltest a’udhu billahi min asch-schaitan-ir-radschim sagen!“ (Al-Bukhari und Muslim)
* Auf Deutsch bedeutet dies: „Ich suche Zuflucht bei Allah vor dem Satan, dem Verdammten!“
Hadith 47: Mu’adh ibn Anas (r) überliefert, dass der Prophet (s) sagte: „Wer seinen Zorn bändigen kann, obwohl er in der Lage ist, sich zu rächen, den wird Allah, der Gepriesene, der Erhabene, am Tage des Gerichts, vor den Augen der Menge zu sich rufen und ihn unter den Huris wählen lassen, welche er möchte.“ (Abu Dawud und At-Tirmidhi)
Nach At-Tirmidhi ist dies ein guter Hadith (hasan)
* Huri ist die Bezeichnung für Jungfrauen des Paradieses.
Hadith 48: Abu Huraira (r) überliefert, dass ein Mann dem Propheten (s) sagte: „Gib mir einen Rat!“ Er sagte: „Zürne nicht!“ Und er wiederholte dies mehrmals, und er (s) sagte: „Zürne nicht!“ (Al-Bukhari)
Hadith 49: Abu Huraira (r) berichtet, dass der Gesandte Allahs (s) sagte: “Der Gläubige, ob Mann oder Frau, wird immer wieder geprüft werden, am eigenem Leib, an seinen Nachkommen und an seinem Gut, bis er ohne Sünde Allah, dem Erhabenen, gegenübersteht.“ (At-Tirmidhi)
Dies ist ein guter und gesunder Hadith (hasan sahih)
Hadith 50: Ibn Abbas (r) erzählte: Einst kam Uyaina ibn Hisn als Gast seines Neffen al-Hurr ibn Qais, der zu dem (dem Kalifen) Umar nahestehenden und beliebten Kreis gehörte, (nach Medina). Jener Kreis um Umar (r) wurde von Qur’anlesern und Rezitatoren gebildet, die, unabhängig von ihrem Alter, seine Berater waren. Da sagte Uyaina zu seinem Neffen: „Oh mein Neffe! Du erfreust dich des Vertrauens des Amir al-Mu’minin* (Umar); würdest du die Genehmigung für mich erlangen, dass ich ihn sehe?“ Al-Hurr erbat dies, und Umar gewährte es. Als Uyaina vor Umar stand, sagte er zu ihm: „Wisse, Sohn des Khattab! Bei Allah, was du uns gewährst ist weder reichlich, noch behandelst du uns gerecht!“ Umar wurde so zornig, dass er ihn beinahe bestraft hätte. Da sagte al-Hurr zu ihm: „Oh Amir al-Mu’minin! Allah, der Erhabene, sagte zu Seinem Propheten (s): ‚Nimm Al-’afu an, gebiete das Gebilligte und meide die Unwissenden.’ [ungefähre Bedeutung des Quran, Sure 7:199], und dieser ist einer der Törichten.“ Bei Allah, Umar gewann seine Fassung wieder, als er diesen Qur’anvers hörte, denn der Qur’an war für ihn Grundlage allen Tun und Handelns. (Al-Bukhari)
* Amir al-Mu’minin bedeutet so viel wie „Führer der Gläubigen“, und ist ein Titel des Kalifen.
Hadith 51: Ibn Mas’ud (r) überliefert, dass Allahs Gesandter (s) sagte: “Nach mir werden Selbstsucht und Verwerfliches kommen, was ihr nicht kennt und was ihr verurteilen würdet.” Sie (seine Gefährten) sagten: „Oh Gesandter Allahs, was gebietest du uns zu tun?“ Er sagte: „Ihr solltet eure Pflichten erfüllen, und Allah anrufen.“ (Al-Bukhari und Muslim)
Hadith 52: Abu Yahya Usaid ibn Hudair (r) überliefert, dass einer der Ansar zum Gesandten Allahs (s) sagte: „Oh Gesandter Allahs, möchtest du mich mit einer Tätigkeit betrauen, wie du es mit dem Soundso getan hast?“ Er (s) antwortete: „Nach mir wird euch Selbstsucht treffen, doch seid geduldig, bis ihr mich am Fluss Al-Haud (im Paradies) trefft.“ (Al-Bukhari und Muslim)
Hadith 53: Abu Ibrahim Abdullah ibn Abi Aufa (r) überliefert: Während des Krieges mit einem Feind wartete Allahs Gesandter (s) bis zum Sonnenuntergang, dann sagte er zu den Muslimen: „Oh ihr Menschen! Wünscht nicht, dem Feind im Kampf zu begegnen, und bittet Allah um Wohlbefinden. Aber wenn ihr den Feind trefft, dann seid standhaft und wisst, dass das Paradies im Schatten des Schwertes liegt.“ Dann fügte er (s) hinzu: „Oh Allah! Offenbarer des Buches! Beweger der Wolken! Überwinder aller Parteien! Besiege sie (die Feinde), und hilf uns, sie zu besiegen!“ (Al-Bukhari und Muslim)
ENDE KAPITEL
[Riyad-us-Salihin, Band 1, Dar-us-Salam Verlag T.Schaible, Postfach 1442, 85742 Garching]
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