Riyad-us-Salihin
KAPITEL3
Hadith 16: Abu Musa Abdullah ibn Qais al-Asch’ari (r) berichtet, dass der Prophet (s) sagte: „Allah reicht Seine Hand nachts, damit der Sünder des Tages bereue, und Er reicht Seine Hand tagsüber, damit der Sünder der Nacht bereue, solange, bis die Sonne im Westen aufgehen wird.“* (Muslim)
* Das heißt: bis zum Jüngsten Tage.
Hadith 17: Abu Huraira (r) berichtet, dass der Gesandte Allahs (s) sagte: „Allah wird die Reue des Bereuenden annehmen, solange die Sonne nicht im Westen aufgegangen ist.“ (Muslim)
Hadith 18: Abu Abdur-Rahman Abdullah ibn Umar ibn al-Khattab (r) berichtet, dass der Prophet (s) sagte: „Allah nimmt die Reue des Sünders an, bis zu seinem letzten Atemzug.“ (At-Tirmidhi)
Dies ist ein guter Hadith (hasan).
Hadith 19: Zirr ibn Hubaisch (r) berichtet: Ich ging zu Safwan ibn Assal (r), um ihn über das Wischen mit den Händen über die Ledersocken während der rituellen Waschung zu befragen. Er fragte mich: „Was bringt dich hier her, Zirr?“ Ich antwortete: „Der Wunsch nach Wissen.“ Er sagte: „Die Engel breiten ihre Flügel aus für denjenigen, der sich auf der Suche nach Wissen befindet, um ihn auf der Suche nach Wissen zu befriedigen.“ Ich erzählte ihm, dass mir Zweifel gekommen seien, im Hinblick auf das Wischen mit den Händen über die Ledersocken während der Waschungen, nachdem man auf der Toilette gewesen ist. „Nun bist du einer der Gefährten des Propheten (s), und ich bin gekommen, dich zu fragen, ob du ihn irgendetwas dazu sagen hörtest.“ Er antwortete: „Ja. Er wies uns an, dass wir auf der Reise unsere Ledersocken drei Tage und drei Nächte zur Waschung nicht auszuziehen bräuchten, auch nicht, wenn wir auf der Toilette gewesen wären, außer wenn wir eine Ganzwaschung benötigten.“ Ich fragte ihn dann: „Hörtest du ihn etwas bezüglich Liebe und Zuneigung sagen?“ Er antwortete: „Ja. Wir befanden uns mit dem Propheten (s) auf einer Reise, als ein Araber vom Lande ihn in Lautem und rauem Ton anrief: ‚Oh Muhammad.’ Der Prophet (s) antwortete ihm in fast gleichem Ton: ‚Nun, ich bin hier.’ Ich sagte zu dem Araber: ‚Weh dir; mäßige deine Stimme. Du befindest dich in Gegenwart des Propheten (s), und es ist dir verwehrt.’ Darauf sagte er: ‚Bei Allah, ich werde meinen Ton nicht mäßigen.’ Und sich an den Propheten (s) wendend sagte er: ‚Wie steht es um einen Mann, der ein Volk liebt, doch noch nicht zu ihm zugelassen wurde?’ Der Prophet (s) antwortete: ‚Am Tag des Gerichts wird ein Mensch in Gesellschaft derer sein, die er liebt.’ In der weiteren Unterhaltung mit uns erwähnte er (s) ein Tor im Westen, dessen Breite von einem Reiter in vierzig oder siebzig Jahren durchschritten werden konnte.“ Sufyan, der einer der Erzähler dieses Hadithes ist, fügt hinzu: Dieses Tor liegt gegenüber von Scham*. Allah hat es bei der Erschaffung von Himmeln und Erde geschaffen, und es ist offen für Reue, und es wird nicht verschlossen werden, bis die Sonne in seiner Richtung*⊃2; aufgeht. (At-Tirmidhi und andere)
Dies ist ein guter und gesunder Hadith (hasan sahih).
* Asch-Scham bezeichnet die Region des Nahen Ostens zwischen Zweistromland und Ägypten. Hier ist damit der Westen gemeint, da sie im Westen der Arabischen Halbinsel liegt.
*⊃2; Das heißt, bis zum Jüngsten Tag, an dem die Sonne im Westen aufgeht.
Hadith 20: Abu Sa’id Sa’d ibn Malik ibn Sinan al-Khudri (r) berichtet, dass der Prophet Allahs (s) erzählte, dass es in der Vergangenheit in einem Volk einen Mann gab, der 99 Menschen getötet hatte. Dieser fragte nach dem gelehrtesten Menschen, den es auf der Welt gebe. Man nannte ihm einen Mönch, und er ging zu ihm und sagte: „Ich habe neunundneunzig Menschen getötet. Gibt es irgendeine Art von Buße für mich?“ Er antwortete: „Nein.“ Daraufhin tötete er auch den Einsiedler und vervollständigte damit die Zahl seiner Opfer auf hundert. Der Mörder fragte nun erneut: „Wer ist der gelehrteste Mensch auf der Welt?“ Man verwies ihn an einen gelehrten Menschen. Er ging also zu ihm und sagte: „Ich habe einhundert Menschen getötet. Gibt es irgendeine Art von Buße für mich?“ Der gelehrte Mann sagte: „Ja. Nichts kann zwischen dir und Reue stehen: Begib dich zu dem und dem Land. In diesem Land gibt es (fromme) Leute, die Allah, den Erhabenen anbeten. Schließ dich ihnen an, diene Allah und kehre nicht in dein Heimatland zurück, denn es ist eine schlimme Gegend.“ Der Mann brach zu diesem Land auf. Er hatte gerade die Hälfte des Weges hinter sich gebracht, als er starb. Nun entstand ein Streit zwischen dem Gnadenengel und dem Plagenengel darüber, wer die Verwahrung seiner Seele übernehmen sollte. Der Gnadenengel sprach: „Er hat sich reumütig Allah zugewendet.“ Der Plagenengel entgegnete: „Er hat niemals etwas Gutes getan.“ Da kam ein Engel in Menschengestalt, und sie setzten ihn als Schiedsrichter zwischen ihnen ein. Er wies sie an, die Entfernung zwischen den zwei Ländern auszumessen. Welchem Land er näher sei, zu dem solle er gehören. Sie führten also die Messung durch, und fanden, dass er dem Land, zu dem er gehen wollte, näher sei. Also übernahmen ihn die Gnadenengel. (Al-Bukhari und Muslim)
- In einer anderen Sahih-Version heißt es, dass er eine Handbreite näher an dem Land der frommen Menschen war, und dementsprechend wurde er als einer der ihren angesehen.
- Eine andere Sahih-Version lautet, dass Allah, der Erhabene, befahl, dass die eine Seite sich erweitern und die andere schrumpfen solle, und dann sagte Er: „Nun messt zwischen den beiden!“, und er wurde eine Handbreite näher an seinem Ziel gefunden, und ihm wurde vergeben.
- In einer weiteren Version heißt es, dass er kriechend vorankam.Hadith 21: Abdullah ibn Ka’b ibn Malik (r), berichtet, dass er den Bericht seines betagten erblindeten Vaters hörte, über sein Zurückbleiben in Medina, als der Gesandte (s) nach Tabuk marschierte. Ka’b erzählte: Ich hatte den Propheten (s) auf jedem Feldzug begleitet außer dem von Tabuk. Ich konnte mich dem Propheten (s) auch in der Schlacht von Badr nicht anschließen, aber in diesem Fall hatte er niemandem, der zurückgeblieben war, etwas vorgeworfen, denn der Prophet (s) und die Muslime beabsichtigten nur, sich der Karawane der Quraisch zu bemächtigen, ohne dass ein Kampf erwartet wurde. Dennoch führte sie Allah unerwarteter weise in eine Auseinandersetzung mit ihrem Feind. Ich war dem Propheten (s), als wir in der Nacht bei Aqaba waren und den Bund bezüglich des Islam schlossen*. Ich möchte dies jedoch nicht mit der Anwesenheit in Badr vergleichen, obwohl sich die Leute mehr an Badr, als an Aqaba erinnern. Als ich vom Feldung nach Tabuk zurückgeblieben war, befand ich mich bei besserer Gesundheit und Wohlstand als je zuvor. Ich besaß zwei Reitkamele, wo ich doch nie zuvor zwei gehabt hatte. Jedesmal, wenn der Prophet (s) sich zu einem Feldzug entschloss, verriet er dies erst im letzten Augenblick. Bei diesem Feldzug war allerdings die Jahreszeit gnadenlos heiß, die Reise war lang und ermüdend, führte durch Wüsten und unwirtliche Gegenden ohne Grün oder Wasser, und die Zahl der Feinde war groß. Der Prophet (s) hatte daher die Muslime ausdrücklich darauf vorbereitet. Die Zahl derer, die bereit waren, den Propheten (s) bei diesem Unternehmen zu begleiten, war sehr groß. Kein Buch hätte die Namen all jener, die den Propheten (s) begleiteten, zu fassen vermocht. Jeder, der abwesend war blieb, rechnete damit, dass niemand seine Abwesenheit bemerken würde, außer ihre Pflichtvergessenheit würde durch göttliche Offenbarung enthüllt. Auch waren die Früchte an den Bäumen reif geworden, und sie boten Schatten, und all dies mochte ich. Der Prophet (s) und die Muslime, die ihn begleiten sollten, beschäftigten sich damit, Vorbereitungen für den Aufbruch zu treffen. Ich selbst hatte stets die Absicht, mich ebenso auf diese Unternehmung vorzubereiten, aber ich machte kehrt, ohne irgendetwas davon erledigt zu haben, und ich sagte zu mir: ‚Ich kann das ja noch machen, wenn immer ich will’ Und so verging die Zeit, bis der Prophet (s) und die Muslime ihre Vorbereitungen abgeschlossen hatten, und ich hatte noch immer die Absicht, mich auch noch schnell vorzubereiten. Schließlich kam der Tag, an dem der Prophet (s) mit den Muslimen aufbrach, und ich wollte ihnen eigentlich später nachfolgen. Oh, wenn ich dies nur getan hätte, doch es war mir nicht bestimmt. Als ich nun aber unter die Leute ging, schmerzte es mich sehr, zu sehen, dass die mit mir Zurückgebliebenen entweder mutmaßliche Heuchler waren, oder solche, die aus gesundheitlichen Gründen zurückbleiben mussten. Der Prophet (s) erwähnte mich nicht, bis er in Tabuk angekommen war. Erst als er dort unter den Leuten saß, fragte er: „Was ist mit Ka’b passiert?“ Ein Mann des Salima-Stammes sagte: „Oh Prophet, er kam nicht mit uns, wegen seines Gewandes und weil er auf sein Äußeres achten muss.“ Hierauf tadelte ihn Mu’adh ibn Dschabal und sagte: „Was du von Ka’b behauptest ist schlimm! Bei Allah, oh Gesandter Allahs, wir wissen nur Gutes von Ka’b.“ Der Prophet (s) schwieg. Da sah er (s) plötzlich von weitem in der Wüste jemand weiß gekleideten, und rief aus: „Möge es Abu Khaithama sein!“ Und in der Tat, er war es. Er war derjenige, über den sich die Heuchler lustig machen, weil er eine Handvoll Datteln als Sadaqa zu geben pflegte. Als ich erfuhr, dass der Prophet (s) von Tabuk zurückkehrte, begann ich, mir allerlei Lügen als Ausrede auszudenken, und ich fragte mich, wie ich mich wohl morgen vor seinem Missfallen schützen sollte, und ich suchte bei meinem Angehörigen mit gesundem Urteilsvermögen Hilfe. Als mir gesagt wurde, dass der Prophet (s) bald da sei, verwarf ich jegliche Lüge und erkannte, dass mir keine falsche Entschuldigung helfen würde, und ich beschloss daher, die Wahrheit zu sagen. Er (s) kam am nächsten Morgen an. Es war seine Gewohnheit, dass er, wenn er von einer Reise zurückkehrte, zuerst die Moschee besuchte, um zwei Rak’a*⊃2; zu beten und dann mit den Leuten zusammenzusitzen. Als er dies tat, kamen diejenigen, die zurückgeblieben waren, zu ihm und begannen ihm ihre Entschuldigungen vorzutragen und ihm zu huldigen. Und es waren insgesamt fast neunzig Männer. Der Prophet (s) nahm ihre Entschuldigungen an, ließ sie ihre Huldigung erneuern, betete für sie um Vergebung und übergab Allah, was immer sie im Sinne hatten. Als ich an der Reihe war und ihn (s) begrüßte, lächelte er, doch es war ein ärgerliches Lächeln. Er (s) sagte: „Komm!“ So ging ich und setzte mich direkt vor ihn. Er (s) fragte: „Was hielt dich zurück? Hast du dir kein Reittier besorgt?“ Ich antwortete: „Oh Gesandter Allahs (s), bei Allah, wenn ich irgendeinem anderen Menschen als dir gegenüber säße, so würde es mir nicht schwer fallen, seinem Missfallen mit irgendeiner Ausrede zu entgehen. Doch ich weiß, auch wenn ich dir heute eine überzeugende aber falsche Geschichte auftischen würde, so würde doch Allah gewiss bald deinen Zorn gegen mich erregen. Wenn ich dir nun die Wahrheit erzähle und du auf mich ärgerlich wirst, so kann ich doch immer Gnade von Allah, dem Allmächtigen, dem Erhabenen, erhoffen. Bei Allah, ich habe keine Entschuldigung. Ich war niemals so gesund und kräftig und so wohlhabend wie jetzt, als ich mich zurückhielt, dich zu begleiten.“ Der Prophet (s) sagte: „Dieser Mann hat die Wahrheit gesagt. Nun zieh dich zurück, bis Allah deinen Fall entscheidet.“ Einige Männer des Salima-Stammes folgten mir und sagten: „Wir wüssten nicht, dass du früher jemals einen Fehler begangen hättest. Warum hast du nicht vor Allahs Gesandtem (s) eine Entschuldigung vorgebracht, wie die anderen Zurückgebliebenen? Deine Sünde wäre durch das Gebet des Propheten (s) vergeben worden.“ Bei Allah, sie fuhren damit fort, mir Vorwürfe zu machen, bis ich mich geneigt fühlte, zum Propheten (s) zurückzugehen und meine Aussage zu widerrufen. Schließlich fragte ich sie: „Gibt es einen ähnlichen Fall wie meinen?“ Sie sagten: „Ja, zwei Männer haben das Gleiche wie du gesagt, und ihnen wurde d
s Gleiche wie dir gesagt.“ Ich fragte: „Wer sind die beiden?“ Sie sagten: „Es sind Murara ibn ar-Rabi al-Amri und Hilal ibn Umayya al-Waqifi.“ Diese beiden waren tugendhafte Männer, die an der Schlacht von Badr teilgenommen hatten; sie besaßen viele gute Qualitäten, und als mir diese beiden genannt wurden, ging ich weiter. Der Prophet (s) verbot den Muslimen, mit uns dreien zu sprechen. Die Leute pflegten uns zu meiden und wurden Fremde für uns. Ich fühlte mich, als ob ich im einem fremden Land sei. Dieser Zustand dauerte fünfzig Tage lang. Meine beiden Gefährten resignierten und saßen nur noch zu Hause und weinten. Ich jedoch war der jüngste und stärkste von den dreien, pflegte hinauszugehen, am Gebet mit den Muslimen teilzunehmen, auf dem Markt spazieren zu gehen, doch niemand sprach jemals mit mir. Ich pflegte nach dem Gebet immer zu dem Propheten (s) zu gehen und ihn zu grüßen, und ich fragte mich, ob er seine Lippen habe, um meinen Gruß zu erwidern. Und ich betete gewöhnlich in seiner Nähe, und ich bemerkte, dass er immer zu mir schaute, wenn ich in mein Gebet vertieft war, und er schaute sogleich weg, wenn ich in seine Richtung blickte. Als diese strenge Haltung der Muslime mir gegenüber länger dauerte, ging ich bis zur Gartenmauer meines Vetters und engen Freundes Abu Qatada, und kletterte darüber. Ich grüßte ihn, doch, bei Allah, er erwiderte meinen Gruß nicht. Ich sagte zu ihm: „Abu Qatada, ich bitte dich in Allah Namen! Weißt du nicht, dass ich Allah und seinen Propheten (s) liebe?“ Doch er schwieg. Ich wiederholte, was ich gesagt hatte, doch er schwieg. Ich wiederholte nochmals meine Bitte, da erwiderte er: „Allah und sein Gesandter (s) wissen es besser.“ Als ich das hörte, konnte ich meine Tränen nicht zurückhalten und kletterte über die Gartenmauer zurück. Als ich über den Markt von Medina lief, sah ich einen Bauern aus Scham*⊃2;⊃2;, der Lebensmittel verkaufte und die Leute fragte, ob sie ihm Ka’b ibn Malik zeigen könnten. Sie wiesen auf mich, bis er zu mir kam, und er übergab mir einen Brief des Königs von Ghassan. Da ich belesen genug war, las ich ihn. Sein Inhalt war: „Wir haben erfahren, dass dein Gefährte (d.h. der Prophet (s)) dich ungerecht behandelt. Gott will dich nicht misshandeln lassen. Es ist dein Recht, das wir dich trösten.“ Als ich diesen Brief gelesen hatte, sagte ich mir: ‚Das ist noch eine Prüfung für mich’, und verbrannte den Brief. Nachdem vierzig von fünfzig Tagen verstrichen waren und nichts offenbart worden war, kam ein Bote des Propheten (s) zu mir und sagte: „Der Prophet (s) weist dich an, dass du dich von deiner Frau fernhälst.“ Ich fragte nach: „Soll ich mich von ihr scheiden lassen oder was sollte ich tun?“ Er sagte: „Nein, halte dich nur davon zurück, sie zu berühren.“ Der Prophet (s) hatte das Gleiche auch meinen beiden Gefährten geboten. Also sagte ich zu meiner Frau: „Geh zu deinen Eltern und bleibe bei ihnen, bis Allah meinen Fall entscheidet.“ Die Frau von Hilal ibn Umayya ging zum Propheten (s) und bat ihn: „Oh Gesandter Allahs (s), Hilal ibn Umayya ist alt und kann nicht für sich selbst sorgen, und er hat keinen Diener, der ihm den Haushalt macht. Bist du dagegen, wenn ich ihm weiterhin diene?“ Er (s) sagte: „Nein, vorausgesetzt, er berührt dich nicht.“ Sie sagte: „Bei Allah, er denkt an nichts derartiges. Bei Allah, seit diesem Vorfall weint er ständig.“ Einige aus meiner Familie schlugen mir vor, ich solle auch die Erlaubnis des Propheten (s) erbitten, dass meine Frau für mich sorgen könne, wie es auch des Hilal ibn Umayya tat. Ich erwiderte jedoch: „Nein, ich werde den Propheten (s) nicht um sie bitten. Was sollte der Prophet (s) einem jungen Mann wie mir schon antworten?“ So blieb ich also weitere zehn Tage und Nächte, bis seit unserer Isolation fünfzig Tage verstrichen waren. Am Morgen des einundfünfzigsten Tages hatte ich das Morgengebet auf dem Dach meines Hauses verrichtet und saß gerade dort um Allahs zu gedenken, und meine Stimmung war sehr gedrückt, und die ganze Welt schien mich zu beengen, als ich plötzlich vom Bergrücken des Sal’a-Berges eine kräftige Stimme rufen hörte: „Oh Ka’b ibn Malik, es gibt gute Nachrichten für dich.“ Unmittelbar nachdem ich dies gehört hatte, warf ich mich zum Dankgebet nieder und erkannte, dass Trost für mich gekommen war. Es scheint, dass der Prophet (s) im Anschluss an das Morgengebet den Anwesenden mitgeteilt hatte, dass Allah, der Allmächtige und Erhabene, unsere Reue angenommen hat. Ein paar Leute waren sogleich aufgebrochen, um uns diese gute Nachricht unverzüglich mitzuteilen. Einige gingen zu meinen beiden Gefährten, einer stürmte auf seinem Pferd zu mir, und ein anderer, der dem Aslam-Stamm angehörte, kletterte den Hügel hinauf, von wo ich seine Stimme noch vor der Ankunft des Reiters vernehmen konnte. Als der Mensch, dessen Stimme ich gehört hatte, kam, um mich zu beglückwünschen, gab ich ihm mein Gewand, und bei Allah, ich hatte damals nur dieses Gewand, und ich lieh mir ein anderes aus und ging zum Propheten (s). Auf meinem Weg zu ihm traf ich auf Gruppen und Ansammlungen von Menschen, die mir zu der Annahme meiner Reue durch Allah gratulierten, bis ich in der Moschee ankam, wo ich den Propheten (s) inmitten der Menschen sitzend fand. Talha ibn Ubaidullah (r) stand als einziger sogleich auf und rannte mir entgegen, begrüßte mich herzlich und gartulierte mir. Bei Allah, außer ihm stand keiner der Muhadschirin*⊃3; auf. – Ka’b vergaß Talha diese Geste Zeit seines Lebens nie. – Ka’b (r) erzählte weiter: Als ich den Propheten (s) grüßte, strahlte sein Gesicht vor Freude und er sagte: „Sei erfreut über den besten aller Tage, die seit deiner Geburt vergangen sind.“ Ich fragte: „Oh Gesandter Allahs (s), ist dies von dir selbst oder von Allah?“ Er antwortete: „Nein, es ist von Allah, dem Allmächtigen und Erhabenen.“ Wenn sich der Prophet (s) freute, strahlte sein Gesicht, als ob es ein Teil des Mondes wäre, und so konnten wir erkennen, ob er glücklich war. Ich setzte mich neben ihn und sagte: „Oh Gesandter Allahs (s), als Zeichen meiner Reue will ich meinen gesamten Besitz als Sadaqa für Allah und Seinen Gesandten geben.“ Der Prophet (s) entgegnete: „Behalte einen Teil deines Besitzes. Das ist besser für dich.“ Daraufhin sagte ich: „Dann behalte ich nur den Beuteanteil, den ich in Khaibar erhalten hatte, für mich.“ Dann sagte ich weiter: „Oh Gesandter Allahs (s). Allah, der Erhabene, hat mich nur aufgrund der Wahrhaftigkeit errettet, und daher werde ich als Buße für den Rest meines Lebens nichts als die Wahrheit sagen.“ Und, bei Allah, ich kenne niemanden unter den Muslimen, der so glaubhaft berichtet wie ich, und bei Allah, ich habe seit diesem Tag niemals wissentlich gelogen, und ich hoffe, dass mich Allah, der Erhabene, auch für den Rest meines Lebens davor behüten wird. Allah, der Erhabene, offenbarte: „Gewiss, bereits nahm Allah an die Reue des Gesandten, der Muhadschir und der Ansar*⊃3;⊃2;, die ihm in der Stunde der Not gefolgt sind, nachdem beinahe die Herzen einer Gruppe von ihnen Abneigung empfanden, dann aber nahm Er ihre Reue an. Er ist ihnen gegenüber gewiss allerbarmend, allgnädig. Auch (nahm Allah an die Reue) derjenigen Drei, die zurückgeblieben waren. Als das Land dann trotz seiner Weite ihnen eng erschien, ihre Seelen unter Beklemmung litten und sie wussten, dass es keine Zuflucht vor Allah gibt außer (der reuigen Umkehr) zu Ihm, dann verhalf Er ihnen zur Reue, damit sie bereuen. Gewiss, Allah ist Der Reue Annehmende, Der Allgnädige. Ihr, die den Iman verinnerlicht habt! Handelt Allah gegenüber Taqwa gemäß und seid unter den Wahrhaftigen!” [ungefähre Bedeutung des Quran, Sure 9:117-119] Ka’b (r) erzählte weiter: Bei Allah, nach meiner Annahme des Islam habe ich keinen größeren Segen erfahren, als dass ich vor dem Propheten (s) die Wahrheit sprach und ihn nicht anlog, wie jene, die ihm Lügen erzählten und die deshalb ins Verderben stürzen. Allah, der Erhabene, offenbarte über diejenigen, die gelogen haben, schlimmeres denn je zuvor: „Sie werden euch im Namen Allahs schwören, wenn ihr zu ihnen zurückkommt, damit ihr sie nicht behelligt, so behelligt sie nicht! Gewiss, sie sind (wie) die rituelle Unreinheit und ihre Unterkunft ist Dschahannam als Vergeltung für das, was sie zu tun pflegten. Sie schwören euch, damit ihr mit ihnen zufrieden seid. Und solltet ihr mit ihnen zufrieden werden, so ist Allah mit den fisq-betreibenden Leuten nie zufrieden.“ [ungefähre Bedeutung des Quran, Sure 9:95-96] Ka’b (r) sagte: Was uns Drei betraf, so wurden wir im Gegensatz zu denen. Die vor den Propheten (s) traten, um sich zu entschuldigen, und die ihm huldigten und für die er um Vergebung gebeten hatte, nur zurückgestellt, bis Allah über uns entschieden hatte. Und tatsächlich entschied Allah, der Erhabene: „Auch (nahm) Allah an die Reue) derjenigen Drei, die zurückgeblieben waren.“ [ungefähre Bedeutung des Quran, Sure 9:118] ‚Zurückgeblieben’ bedeutet nicht, dass wir vom Dschihad zurückblieben, sondern es bedeutet, dass Allah unseren Fall aufschob, bis zu dem Zeitpunkt, an dem die Fälle der anderen Personen behandelt waren, die sich bei dem Propheten (s) entschuldigten und deren Entschuldigungen er akzeptierte. (Al-Bukhari und Muslim)
- Eine andere Version besagt, dass der Prophet (s) an einem Donnerstag zum Feldzug nach Tabuk aufbrach, und er mochte gerne donnerstags zu reisen.
- Noch eine andere Version besagt, dass er vormittags bei Tageslicht von einer Reise zurückkehren pflegte. Er ging dann gewöhnlich direkt in die Moschee, betete zwei Rak’a und setzte sich dann dort nieder.
* Der Vertrag von Aqaba wurde von dem Propheten (s) und Muslimen aus Medina geschlossen und ging der Auswanderung (Hidschra) der Muslime von Mekka nach Medina voraus.
*⊃2; Rak’a ist die Bezeichnung für eine islamische Gebetssequenz.
*⊃2;⊃2; Asch-Scham bezeichnet die Region des Nahen Ostens zwischen Zweistromland und Ägypten. Hier ist damit der Westen gemeint, da sie im Westen der Arabischen Halbinsel liegt.
*⊃3; Muhadschirin („Auswanderer“) werden die mekkanischen Muslime genannt, die aufgrund der Verfolgung in ihrer Heimatstadt zur Auswanderung gezwungen waren.
*⊃3;⊃2; Ansar („Helfer“) werden die Bewohner von Medina genannt, seitdem sie den Propheten (s) und die verfolgten Muslime (Muhadschirin) aus Mekka großherzig bei sich aufgenommen haben.
Hadith 22: Es erzählte Abu Nudschaid Imran ibn al-Husain al-Khuza’i (r), dass eine Frau aus dem Dschuhaina-Stamm aufgrund eines Ehebruchs schwanger wurde. Sie kam zum Propheten (s), gab ihre Schuld zu und sagte: „Oh Gesandter Allahs, ich habe eine schwere Sünde begangen. Bestrafe mich also dementsprechend.“ Der Prophet (s) ließ ihren Vormund kommen und sagte zu ihm: „Behandle sie gut, und bringe sie wieder zu mir, wenn sie entbunden hat.“ Der Vormund führte die Anweisungen durch und brachte sie zurück zum Propheten (s), der das Urteil sprach und ihre Hinrichtung anordnete. Man band daher ihre Kleider um ihren Körper fest*, und sie wurde zu Tode gesteinigt. Danach leitete der Prophet (s) ihr Begräbnisgebet. Umar (r) bemerkte sodann: „Oh Prophet Allahs (s)! Sie ist eine Ehebrecherin und du leitest ihr Begräbnisgebet?“ Der Prophet (s) sagte: „Sie hat in so einem Maß bereut, dass, wenn diese Reue auf siebzig Personen aus Medina verteilt würde, sie für alle ausgereicht hätte. Gibt es etwas besseres, als dass sie sich selbst für Allah, den Allmächtigen und Erhabenen, aufgeopfert hat?“ (Muslim)
* Bei einer Steinigung pflegte man die Kleidung festzubinden, um zu verhindern, dass während des Steinigens eine Blöße des Verurteilten sichtbar wurde.
Hadith 23: Ibn Abbas und Anas ibn Malik (r) überliefern, dass der Gesandte Allahs (s) sagte: „Wenn der Sohn Adams* ein Tal voller Gold hätte, wäre er auf zwei erpicht. Und nichts würde seinen Mund stopfen, als Erde. Doch Allah wendet Sich jedem reumütigen Sünder zu.“ (Al-Bukhari und Muslim)
* Mit dem Sohn Adams ist der Mensch gemeint.
Hadith 24: Abu Huraira (r) überliefert, dass der Gesandte Allahs (s) sagte: „Allahs Freude über den Märtyrer und seinen reumütigen Mörder ist groß. Der Erste wurde um Allahs willen getötet. Und der Zweite fand Allahs Erbarmen, nahm den Islam an, kämpfte auch um Allahs willen und wurde als Märtyrer getötet.“ (Al-Bukhari und Muslim)
ENDE KAPITEL
[Riyad-us-Salihin, Band 1, Dar-us-Salam Verlag T.Schaible, Postfach 1442, 85742 Garching]
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