TASAVVUF ALEMİ - AL ISLAM
  Glaubensartikel
 

Erster Glaubensartikel: Gott


Die wesentlichen Eigenschaften Gottes sind:

  • Einzigkeit Gottes: Gott ist absolut einzig, deshalb wird die christliche Dreifaltigkeitslehre abgelehnt und erst recht die christliche Vorstellung von der Gottessohnschaft Christi.
  • Absolute Transzendenz und deshalb nächste Nähe Gottes: Gott wird im Islam in vollkommener Transzendenz gezeigt. Gott wird deshalb auch nicht als personifiziert aufgefaßt. Um die Transzendenz Gottes nicht zu relativieren und zu nivellieren, gibt es keine Sakramente, keine Kultbilder, keine Kirchenmusik. Gerade wegen seiner Transzendenz ist Gott völlig nahe (immanent): er ist dem Menschen näher als seine Halsschlagader.
  • Gott der Schöpfer: Gott hat Himmel und Erde geschaffen. Die Schöpfung ist in erster Linie für den Menschen bestimmt. Man kann Gott aus der wunderbaren Schöpfung erkennen.
  • Gott der Richter: Gott ist der gerechte Richter des Jüngsten Tages.
  • Gott der barmherzige Erbarmer: Fast jede Sure des Koran beginnt mit: "Im Namen Gottes, des barmherzigen Erbarmers". Das Erbarmen ist notwendig, da Gott ein gerechter Richter ist: jeder fromme Muslim weiß, daß er oft Gottes Anforderungen nicht entspricht und deshalb auf Gottes Erbarmen angewiesen ist. Voraussetzung, daß Gott gegenüber dem Menschen Erbarmen zeigt ist aufrichtige Reue auf Seiten des Menschen.

In der islamischen Mystik wurde die Einzigkeit Gottes bis zum Extrem durchdacht: Es gibt nichts außerhalb Gott. Die Orthodoxie betrachtete dies als pantheistische Ketzerei und verfolgte diese "Ketzerei" mit der Todesstrafe.

Der syrische Sufi (Mystiker) Schihabbadin Yahya as-Suhrawardi (1191 wegen Ketzerei hingerichtet) beschreibt folgende fünf Grade des Bekenntnisses der Einzigkeit Gottes:

  1. Es gibt keine GOTTHEIT außer GOTT
  2. Es gibt kein ER außer IHM
  3. Es gibt kein DU außer DIR
  4. Es gibt kein ICH außer MIR
  5. SCHWEIGEN

Zweiter Glaubensartikel: Engel


Engel sind hauptsächlich Wesen, die Gott loben und preisen. Im Auftrag Gottes bewachen und schützen sie auch die Menschen, verzeichnen deren Taten und sind für den Empfang der Seelen der Toten zuständig. Der Mensch steht über den Engeln.

Ein wichtiger Engel ist Gabriel, der Muhammad den Koran überbrachte

Hier muss man auch Iblîs erwähnen, den Teufel und die Dämonen: der Teufel (iblis) und die Dämonen, seine Anhänger, wohnten nach der Aussage des Korans ursprünglich im Paradies. Ihr Fall und ihre Vertreibung werden auf ihren Hochmut und ihren Ungehorsam zurückgeführt. Zunächst haben sie sich zusammen mit den Engeln gegen die von Gott geplante Erschaffung des Menschen gewandt. Dann haben sie sich - anders als die Engel - geweigert, Gottes Befehl zu gehorchen und vor Adam niederzufallen. Daraufhin hat Gott die Dämonen aus dem Paradies vertrieben und sie dem Fluch übergeben bis zum Tag des Gerichtes. Seitdem sind der Teufel und die Dämonen damit beschäftigt, den Menschen nachzustellen, sie zu verführen und sie ins Verderben zu stürzen. Ob man Iblis als gefallenen Engel bezeichnen kann, ist unter den muslimischen Theologen umstritten.


Dritter Glaubensartikel: Heilige Schriften


Heilige Schriften vor dem Koran


Vor der Offenbarung des Koran gab es folgende Schriften echter Offenbarung:

  1. Die Tora = Pentateuch = fünf Bücher Mosis
  2. die Psalmen Davids
  3. die Evangelien Jesu

Mit der Offenbarung des Koran wurden diese Offenbarungsschriften aber unnötig, denn der Koran ist jener Teil der himmlischen Offenbarungsschrift, den Gott für ausreichend erachtete, die Menschen zu führen.


Der Koran


Der Koran ist die niedergeschriebene Sammlung der Offenbarungen, die der Erzengel Gabriel dem Propheten Muhammad in einem Zeitraum von über zwanzig Jahren nach und nach eingegeben hat. Dabei glaubt man an die Verbalinspiration Muhammads: der Koran ist wortwörtlich Gottes Wort. Der Muslim erlebt Gott deshalb in der Koranrezitation. Der Koran gilt deshalb auch für grundsätzlich unübersetzbar. Denn Gott spricht Arabisch. Deshalb ist das Arabisch des Koran auch für alle Zeiten Norm dafür, was Arabisch ist.

Der Koran ist in 114 Suren (Kapitel) eingeteilt. Die Anordnung der Suren mit Ausname der ersten Sure geschieht einfach nach ihrer Länge: Sure 2 ist die längste, Sure 114 die kürzeste.

Ein besonders hohes Verdienst ist es, den Koran auswendig zu lernen. Dazu dienen die Koranschulen. Es kommt dabei nicht darauf an, den Inhalt zu verstehen, sondern die Laute auswendig zu können, sie sind ja Gottes Worte.

Koranverse werden als Amulette gegen Bösen Blick, Krankheit und sonstige Übel verwendet.

Die Hochschätzung des Koran findet ihren sichtbarsten Ausdruck in der islamischen Schriftkunst.


Koran und Überlieferung: Quellen des Rechts


Um wirklich Leitung in allen Situationen des Lebens zu erhalten, war es nötig den Koran aus weiteren Quellen zu ergänzen. Dazu berief man sich auf die mündliche Tradition, die man auf den Propheten Muhammad selbst zurückführte. Diese Tradition besteht aus Hadîth, Überlieferungen über Handlungen und Aussprüche des Propheten. Im Gegensatz zum kanonisierten Koran gibt es keinen allgemein akzeptierte Festlegung, welche Hadîth echt sind und welche nicht. So betrachten muslimische Gelehrte viele, unterschiedliche Hadîth als unecht. Auch verschiedene Rechtsschulen betrachten unterschiedliche Hadîth als echt bzw. unecht.

Jeder Hadîth versucht sich selbst dadurch zu rechtfertigen, daß er die ganze Überlieferungskette von Gewährsmännern bis zurück zum Propheten angibt. Die Untersuchung der Glaubwürdigkeit der einzelnen Gewährsmänner ist deshalb ein wichtiger Zweig islamischen "Wissenschaft": Die Wahrheit eines sogenannten Hadîth erkennt man nicht aus seinem Inhalt, seiner inneren Logik oder der Übereinstimmung mit dem islamischen System, sondern aufgrund der Glaubwürdigkeit der Personen, die den Hadîth überliefert haben.

Bezüglich der Hadîthe unterscheiden sich Schiiten und Sunniten fundamental: Die Schiiten sind ja der Ansicht, daß schon die muslimische "Urgemeinde" in der Entscheidung über den Nachfolger des Propheten falsch entschieden hat. Deshalb beschränkt man die Tradition auf die Mitglieder der Familie des Propheten, die Alî unterstützten, und auf die Imâme.

Wegen dieser schwierigen Verhältnisse bezüglich der echten und unechten Tradition und wegen der Schwierigkeiten der Rechtsauslegung waren de facto die eigentlichen Nachfolger des Propheten die Rechtsgelehrten: die Ulamâ der Sunniten, die Mollas und Ayatollahs der Schiiten. Dabei muß man im Auge behalten, daß es im Islam kein zentrale Lehrautorität (wie den Papst bei den Katholiken) gibt.

Beispiele von Hadîthen:

"Bukhari ... [Traditionskette] ... von Ibn Abbas: Der Prophet verdammte alle Männer, die sich wie Weiber verhalten, und umgekehrt Frauen, die sich wie Männer verhalten, und forderte: "Jagt sie aus euren Häusern!" Er vertrieb solche Leute und Omar desgleichen."

"Bukhari ... [Traditionskette] ... von Anas ibn Malik: Einst kamen drei Männer zu den Behausungen der Frauen des Propheten, um Genaueres über seine religiösen Übungen zu erfahren. Sie fanden das, was man ihnen berichtete eigentlich etwas zu wenig und sagten: "Worin unterscheiden wir uns vom Propheten? Ihm hat Gott alle vergangene und zukünftige Schuld vergeben." Und einer von ihnen meinte: "Was mich betrifft, ich werde alle Nächte hindurch beten." Ein anderer: "Ich werde unausgesetzt jeden Tag fasten." Und ein Dritter: "Ich werde mich von allen Frauen fernhalten und niemals heiraten." In diesem Augenblick trat der Gesandte Gottes zu ihnen: "Seid ihr diejenigen, welche sich gerade nach diesem und jenem erkundigt haben? Ich fürchte Gott mehr als ihr und verehre Ihn mehr. Ich faste, aber trotzdem beende ich das Fasten wieder; ich bete, aber ich schlafe auch; und ich heirate mehrere Frauen. Wer immer sich von meiner Übung (Sunna) wendet,, der ist keiner von den meinen."

"Bukhari ... [Traditionskette] ... von Abu Said-al-Khudri: Wir haben mit gefangenen Frauen den coitus interruptus (Herausziehen des Penis aus der Scheide vor dem Samenerguß) getrieben, um keine Nachkommen von ihnen zu haben. Da sagte der Gottgesandte dreimal: "Jede Seele, die dazu bestimmt ist, für den Tag der Auferstehung geboren zu werden, wird geboren."

(Diesen Hadîth führt man an, um die Erlaubheit von Geburtenkontrolle zu rechtfertigen.)

"Muslim ... [Traditionskette] ... von Abu Dharr: Einige der Gefährten des Propheten sagten zu ihm: Gottgesandter, die reichen Leute treiben Wucher für die Belohnung im Jenseits. Beten, das tun sie wie wir, sie fasten wie wir, aber darüber hinaus können sie vom Überfluß ihres Vermögens Almosen geben!" Da antwortete er: "Hat Gott euch etwa nicht die Möglichkeit verliehen, Almosen zu geben? Zu sagen Ehre sei Gott! ist ein Almosen; zu sagen Gott ist der Größte! ist ein solches Almosen; und ebenso Gelobt sei Gott, es gibt keinen Gott außer Gott! Sooft ihr euch um das Gute bemüht, ist es ein Almosen und ebenso, wenn ihr das Schlechte zurückweist. Jedesmal, wenn ihr den ehelichen Akt vollzieht, ist dies auch ein Almosen." -- "Was", staunten sie, "wir könnten unsere Lust befriedigen und würden dafür noch belohnt?" -- "Macht sich nicht derjenige", erwiderte er, "der seine Begierde auf unerlaubte Weise stillt, einer Sünde schuldig? So gewinnt daher der, welcher dies auf erlaubte Weise tut, im Jenseits eine Belohnung."

Zitate aus:
Williams, John Alden:
Der Islam. -- Genf : Editio Service, 1973. -- (Die großen Religionen der Welt). -- S. 104-106.


Fiqh, Sharia


Fiqh bzw. Sharia sind Bezeichnungen für das islamische Rechtssystem.

Die Muslime betrachten "die Sharia in erster Linie als ein allumfassendes Rechtssystem, das ideell wohl alle Bereiche islamischen Lebens beherrschen sollte. Aus Gründen der öffentlichen Wohlfahrt billigten die Rechtsgelehrten den muslimischen Herrschern jedoch die Befugnis zu, die Anwendung bestimmter Teile dieses allgemeinen Rechts außer Kraft zu setzen und dafür weltliches Recht anzuwenden. Dies galt besonders für das Strafrecht. Die Sharia ist hierdurch jedoch keineswegs aufgehoben oder widerrufen -- göttliches Gesetz ist nicht widerrufbar, es wird lediglich nicht geltend gemacht, weil es aus zeitbedingten Gründen vielleicht jetzt und hier nicht durchführbar sein mag."

Innerhalb des sunnitischen Islam haben sich vier allgemein anerkannte und zulässige Rechtsschulen herausgebildet. Jeder Sunnite muß sich für eine dieser vier Schulen entscheiden

  • Hanafi
  • Maliki
  • Shafiior
  • Hanbali

Die Lehren der Rechtsschulen "schreiben dem einzelnen vor, wie er seine religiösen Pflichten erfüllen und wie er das Gesetz auszulegen hat."

Zitate aus:
Williams, John Alden:
Der Islam. -- Genf : Editio Service, 1973. -- (Die großen Religionen der Welt). -- S. 116ff.


Vierter Glaubensartikel: Gottes Gesandte


Muhammad wird als letzter der Propheten gesehen, als Ende, Bekräftigung und Höhepunkt in der Reihe der Propheten. Neben Muhammad genießt vor allem Abraham bei den Muslimen hohes Ansehen, da Abraham der erste Monotheist war.

Muhammad:

  • geboren 569/70 in Mekka
  • 622 Emigration (Hidschra) von Mekka nach Medina
  • gestorben 632 in Medina

Für traditionsbewußte Muslime ist Muhammad nicht nur Sprachrohr Gottes, sondern auch Vorbild für den Muslim. Man nimmt an, daß Gott jede der Handlungen Muhammads von Irrtum bewahrte. So ist alles, was der Prophet tat, Teil seiner Sunna, seiner autoritativen Überlieferung: wie er mit Kindern umging, wie er das Fasten beendete, wie er sich die Zähne reinigte, wie er seinen Bart herrichtete, alles ist des Studiums und des Nacheiferns wert.


Fünfter Glaubensartikel: Jüngster Tag


Nach dem Tode des Menschen nehmen Engel seine Seele in Empfang und bringen sie zu Gott. Dort findet ein Zwischengericht statt. Bei diesem Gericht wird die Seele nach Gott, dem Propheten, ihrer Religion und der Gebetsrichtung befragt. Aufgrund der Antworten wird dem Menschen das Paradies oder die Hölle angekündigt. Darauf folgt eine lange Wartezeit bis zum Endgericht. Nach Anbruch der Endzeit erfolgt eine allgemeine Auferstehung der Toten. Gott weckt die Toten auf und erscheint als Richter der Welt. Die Propheten werden als Zeugen über die Völker befragt, zu denen sie einst gesandt wurden. Die Gesandten und die Engel dürfen mit Erlaubnis Gottes Fürsprache einlegen. Dann spricht Gott sein Urteil aufgrund der Taten und des Glaubens der Menschen.

Die Höllenqualen für die Ungläubigen und Gottlosen sind fürchterlich. Das Paradies dagegen ist wirklich paradiesisch schön mit allem, was ein Menschenherz erfreut.

Nach dem Glauben der meisten Muslime werden alle, die die Einzigkeit Gottes bezeugen nach der Vergeltung für ihre Taten in einer Art Fegefeuer aus dem Feuer befreit. Keiner von den Gläubigen wird ewig im Feuer verbleiben, sondern wer auch nur ein Körnchen wahren Glauben im Herzen hat, wird aus dem Feuer errettet.


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